Gutachten zur Eisbachwelle liegt vor: Dreiteilige Holzrampe als Lösung für Münchner Kultwelle
Gutachten zur Eisbachwelle: Holzrampe als Lösung vorgeschlagen

Gutachten zur Eisbachwelle endlich da: So könnte die Lösung aussehen

Ein Jahr nach dem tragischen Unfall und nach 180 Tagen ohne Surfen liegt nun ein lang erwartetes Gutachten zur Rettung der legendären Eisbachwelle vor. Eine dreiteilige Holzrampe soll die Münchner Kultwelle zurückbringen, doch kontroverse Diskussionen um Statik, Haftungsfragen und Umsetzungstempo bremsen die ambitionierten Pläne aus.

Trauertag für die Münchner Surfcommunity

Der Unglückstag an der Eisbachwelle jährt sich an diesem Donnerstag zum ersten Mal – ein trauriger Anlass für die gesamte Münchner Surfcommunity. Vor genau einem Jahr, am 16. April 2025, verunglückte eine 33-jährige, erfahrene Surferin auf der reißenden Welle. Als sie stürzte, zog die Sicherungsleine am Knöchel die junge Frau in der starken Strömung unter Wasser. Die Leash hatte sich an einem unbekannten Gegenstand im Bachbett verhakt. Trotz intensiver Rettungsversuche und Bergung durch die Feuerwehr verstarb die Surferin eine Woche später im Krankenhaus.

Ein öffentliches Gedenken an der Welle wird es bewusst nicht geben. "Wir respektieren weiterhin ausdrücklich den Wunsch der Familie nach Anonymität und Ruhe", erklärt Surf-Club-Präsident Martin Grün. "Daher wird es vom Surf Club München keine öffentliche Form des Gedenkens, keine Veranstaltungen und keine weiteren Stellungnahmen geben." Auch die Stadt München plant kein offizielles Gedenken.

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180 Tage ohne die legendäre Welle

Seit Oktober letzten Jahres herrscht komplettes Surfverbot am Eisbach. Bei der Bachauskehr hatten Arbeiter der Stadt das Flussbett an der Eisbachbrücke so gründlich von Kies, Moos und Sand gereinigt, dass sich seither keine natürliche Welle mehr aufbaut. In früheren Jahren hatten Surfer in solchen Fällen unter Wasser ein Holzbrett an Seilen aufgehängt – stillschweigend geduldet von der Stadt. Doch ein eigenmächtiger Rampeneinbau ohne Genehmigung ist jetzt strikt verboten.

Der neu gewählte Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) hat angekündigt, dass die Welle spätestens zu Beginn der Sommerferien wieder freigegeben werden soll. Die entscheidende Frage bleibt jedoch: Wie soll dies technisch und sicher umgesetzt werden?

Streit um Tempo und Bürokratie

Seit Monaten gibt es kontroverse Diskussionen zwischen der Stadtverwaltung und den Münchner Surferinnen und Surfern, die mehr Tempo und weniger Bürokratie bei der Wiederherstellung der Welle fordern. Zahlreiche Fragen müssen noch geklärt werden:

  • Wie soll ein genehmigter und sicherer Einbau aussehen?
  • Wo genau und wie soll die Konstruktion befestigt werden?
  • Wer weist nach, ob eine Aufhängung an der Eisbachbrücke statisch sicher ist?
  • Und vor allem: Wer übernimmt am Ende die Haftung für mögliche Unfälle?

Klare Empfehlung: Dreiteilige Holzrampe

Wie die AZ erfahren hat, ist der Schlussbericht des Strömungsexperten Robert Meier-Staude von der Hochschule München nun fertiggestellt. Der 97-seitige Bericht liegt seit Dienstag bei der Stadt vor und enthält eine klare Empfehlung: Die beste Lösung zur Wiederherstellung der Welle sei der Einbau einer dreiteiligen Rampe aus drei Hartholzbrettern.

Das etwa sechs Meter lange Brett in der Mitte ließe sich über Hochleistungsseile am Mittelpfeiler der Brücke befestigen, die beiden kleineren Bretter seitlich an den betonierten Bachseiten-Trogwänden. "Eine Seilbefestigung am Brückenmittelpfeiler hat es genau so früher schon gegeben", erklärt Surf-Club-Präsident Martin Grün. "Dort war ein Edelstahl-Schwerlastdübel in den Granit gespreizt, mit daraufgeschraubter Lasche als Seilbefestigung. Das reicht aus, um bis zu 2000 Kilo Gewicht zu tragen. Es ist mehr als genug für eine Rampe."

Ärger um den Statik-Nachweis

Die eigentliche Konstruktion einzubauen, sei technisch einfach umsetzbar: "Es dauert zwei Tage, dann ist das drin." Was die Eisbachsurfer jedoch zunehmend verärgert: In einer Sitzung mit dem ehemaligen Oberbürgermeister Dieter Reiter war vereinbart worden, dass das Baureferat den geforderten statischen Nachweis für die Aufhängung selbst erbringt. Dies sei aber auch nach Wochen noch nicht geschehen.

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"Wir haben inzwischen darum gebeten, uns alle Unterlagen zur Brücke zukommen zu lassen, damit wir den Statiknachweis selber rechnen können", sagt Grün, "aber auch das passiert nicht." Am Mittwoch soll es nach Informationen der AZ eine Besprechung zwischen dem Strömungsexperten und der Verwaltung gegeben haben. Konkrete Ergebnisse teilte die Stadt auf Nachfrage bis zum Abend jedoch nicht mit.

Die Münchner Surfcommunity wartet nun gespannt auf die nächsten Schritte, während die Tage ohne ihre legendäre Eisbachwelle weiterhin gezählt werden.