Goldberg verliert Industrie-Wahrzeichen: DDR-Sägewerk-Schornstein gesprengt
Die Stadt Goldberg ist um ein markantes Industrie-Wahrzeichen ärmer. Am Mittwochmittag um 12.46 Uhr erfolgte die planmäßige Sprengung des Schornsteins des ehemaligen Sägewerks in der Bahnhofstraße. Mit dem Einsturz des rund 25 Meter hohen Klinkerturms verschwand das letzte Bauwerk des einstigen Volkseigenen Betriebs Holzindustrie, der nun nur noch als Schutthaufen zurückbleibt.
Erfahrener Sprengmeister mit Präzisionsarbeit
Für die fachgerechte Durchführung der Sprengung zeichnete der erfahrene Sprengmeister Karl-Heinz Bühring verantwortlich. Mit stolzen 46 Jahren Berufserfahrung betonte er die besonderen Anforderungen dieser Aufgabe: „Hier reichen 100 Prozent nicht aus. Man muss schon mit 200 Prozent bei der Sache sein.“ Fünf Kilogramm Sprengstoff, die am Sockel des einsturzgefährdeten Schornsteins angebracht wurden, erforderten höchste Konzentration und millimetergenaue Präzision.
Der Ablauf der Sprengung verlief nach Plan:
- Gegen 12.45 Uhr ertönte das erste von drei akustischen Warnsignalen
- Die Feuerwehr besprühte den Schornstein mit Wasser als Staubbindung
- Nach dem finalen Knall kippte der Turm sanft nach hinten, weg von der Straße
„Alles ist planmäßig gelaufen“, resümierte Bühring zufrieden. „Es gibt weder Personen- noch Sachschäden, der Turm ist so gefallen, wie es geplant war und es sind keine Teile umher geflogen. Was will man mehr?“
Startschuss für neue städtebauliche Entwicklung
Unter den etwa 150 Schaulustigen befand sich auch Goldbergs Bürgermeister Gustav Graf von Westarp (Freie Wähler). Für ihn markiert die Sprengung einen wichtigen Wendepunkt: „Ich sehe den Knall als eine Art ‚Startschuss in ein neues Kapitel‘.“ Aktuell werden in der Stadtverwaltung konkrete Pläne diskutiert, auf der Fläche des ehemaligen VEB Holzindustrie ein Wohngebiet zu errichten.
Bürgermeister von Westarp präzisierte: „Die Diskussionen gehen in diese Richtung, eine finale Entscheidung ist jedoch noch nicht gefallen.“ Bereits im Oktober 2025 hatte der Abriss des alten Sägewerks begonnen, sodass die Fläche mittlerweile vollständig geräumt ist.
Gescheiterte Revitalisierungsversuche und historischer Abschied
In der Vergangenheit gab es verschiedene Ansätze zur Neunutzung des Industriegeländes. Zuletzt hatte der Filmdesigner Michael Halein aus Monheim am Rhein Interesse bekundet, einen Teil des Areals zu erwerben, um dort Filmstudios für Produktionsfirmen einzurichten. Diese Pläne scheiterten jedoch an mangelnder Unterstützung aus der Stadtvertretung, woraufhin Halein sich zurückzog.
Seit dem Herbst wurden die Gebäude auf dem Gelände in der Bahnhofstraße 10 schrittweise abgerissen und die Fläche beräumt. Ein Goldberger Bürger, der die Sprengung beobachtete, äußerte gemischte Gefühle: „Damit fällt ein Stück Goldberger Geschichte.“ Er erinnerte sich an die Zeit, als im Sägewerk noch aktiv gearbeitet wurde, fand aber gleichzeitig die technische Durchführung der Sprengung faszinierend.
Das rund 1,5 Hektar große Gelände im Goldberger Westen befindet sich seit 2014 im Eigentum der Stadt. Historisch als VEB Holzindustrie bekannt, wurde der Betrieb nach der Wende bis ins Jahr 2004 weitergeführt, wobei in dieser Phase hauptsächlich Fenster produziert wurden. Mit der Sprengung des Schornsteins bleiben nun nur noch Erinnerungen an die industrielle Vergangenheit des Standortes.



