Amboss als Publikumsmagnet: Neubrandenburger Ausstellung zeigt Handwerk im Wandel
Amboss als Publikumsmagnet: Handwerk im Wandel

Amboss als Publikumsmagnet: Neubrandenburger Ausstellung zeigt Handwerk im Wandel

Mit einer faszinierenden Zeitreise vom frühen Tauschhandel bis zur modernen Schmiede hat das Regionalmuseum Neubrandenburg die Sonderausstellung „Handwerk – Damals und heute“ eröffnet. Die Schau lockte zur Eröffnung eine stattliche Anzahl an Gästen an und präsentiert etwa 150 Objekte aus dem eigenen Bestand.

Handwerk im Herzen der Stadt

Museumsleiterin Claudia Hoffmann begrüßte die Besucher zwischen Nostalgie und Zukunftsgewandtheit. Oberbürgermeister Nico Klose wertete den großen Andrang als deutliches Zeichen dafür, dass das Thema Handwerk einen festen Platz im Herzen der Neubrandenburger hat. „Handwerk bleibt Herzenssache in unserer Stadt“, betonte er in seiner Ansprache.

Vom städtischen Gewerbe zur Landflucht

Kuratorin Wiebke Schrader verdeutlichte in ihrer Einführung die tiefgreifenden Veränderungen des Handwerks über die Jahrhunderte. Die rechtliche Komponente und der Standort haben sich massiv verschoben. War das Handwerk bis weit in die Neuzeit hinein eine rein städtische Angelegenheit innerhalb der Stadtmauern – mit Ausnahmen wie Dorfschmieden oder Müllern –, so treiben heute Platzmangel und hohe Kosten moderne Betriebe eher in die Vorstädte oder aufs Land.

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Die Ausstellung versucht genau diese Transformationen nachzuvollziehen:

  • Vom frühen Tauschhandel ohne Geld
  • Über die zünftige Organisation im Mittelalter
  • Bis hin zum hochspezialisierten Berufsbild der Gegenwart

Slawischer Amboss als ältestes Exponat

Besonderes Augenmerk legte Schrader auf die Auswahl der Exponate. Das älteste Stück der Schau ist ein Amboss aus der Slawenzeit, der auf das 10. Jahrhundert datiert wird. „Tradition ist nicht das Konservieren der Asche, sondern das Weitertragen der Flamme“, zitierte die Kuratorin passend zur Lebendigkeit der Gewerke.

Die Ausstellung bietet nicht nur klassische Handwerksprodukte, sondern auch kuriose Einblicke:

  1. Frühere medizinische Versorgung durch Schröpfen
  2. Historische Werkzeuge verschiedener Gewerke
  3. Dokumente zur Entwicklung handwerklicher Organisation

Persönliche Verbindungen und lebendige Tradition

Oberbürgermeister Klose schlug einen persönlichen Bogen zum Thema und berichtete von seinen Wurzeln als Sohn eines Dachdeckers. Als besonderes Highlight brachte er das Gästebuch für Wandergesellen aus dem Rathaus mit. Er las humorvolle und melancholische Einträge von Handwerkern vor, die seit 2001 auf ihrer „Walz“ in der Vier-Tore-Stadt Station machten.

Dynamisches Programm mit Vorführungen

Die Ausstellung bleibt kein statisches Ereignis. Kuratorin Wiebke Schrader kündigte bereits weitere Veranstaltungen an:

  • 9. Mai, 14 Uhr: Besuch der Goldschmiedin „Golddy“ aus Leipzig, die selbst drei Jahre und einen Tag ohne Handy auf der Walz war. Sie wird von ihren Erfahrungen berichten und eine Vorführung geben.
  • 2. Juni: Vortrag Schraders über das mittelalterliche Handwerk im Spiegel archäologischer Quellen mit Fokus auf Werkzeuge und Werkstätten.

Die Schau im obersten Stock des Franziskanerklosters ist bis Ende Juni zu sehen. Die Kuratorin erklärte bei der Eröffnung lächelnd, dass die Ausstellung noch auf der Suche nach einem Satz Uhrmacherwerkzeug ist, um das Spektrum komplett zu machen.

Nach Gewerken sortiert bietet die neue Ausstellung im Regionalmuseum einen umfassenden Einblick in die Geschichte des Handwerks in der Region – von den slawischen Anfängen bis zur modernen Spezialisierung.

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