Tafel Prenzlau: 85 Prozent der Hilfsbedürftigen haben Migrationshintergrund
Tafel Prenzlau: 85 Prozent mit Migrationshintergrund

Tafel Prenzlau: Hoher Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund bei Hilfsbedürftigen

Die anhaltende Inflation stellt viele Haushalte in der Uckermark vor erhebliche finanzielle Herausforderungen. Besonders betroffen sind Bezieher kleiner Gehälter, Rentner sowie Empfänger von Sozialleistungen, die beim täglichen Einkauf zunehmend verzweifeln. Die Tafel in Prenzlau, die unter der Regie des AWO-Kreisverbandes arbeitet, hat im vergangenen Jahr insgesamt 5680 Besucher betreut und leistet damit einen unverzichtbaren Beitrag zur Linderung der Not.

Demografischer Wandel bei den Hilfsempfängern

Kerstin Kühn, die 58-jährige Leiterin der Prenzlauer Tafel, bestätigt einen bemerkenswerten Trend: Circa 85 Prozent der Nutzer haben inzwischen einen Migrationshintergrund. Der Großteil dieser Personen stammt aus der Ukraine und bezieht Bürgergeld. „Der Nachweis über den Bezug von staatlichen Leistungen ist Voraussetzung für den Besuch der Tafel“, erklärt Kühn. „Andere persönliche Daten erheben wir nicht.“ Sie betont ausdrücklich, dass sich niemand für die Inanspruchnahme der Hilfe schämen müsse.

Die meisten der Hilfsbedürftigen nutzen das Angebot der preiswerten Waren im kleinen „Laden“, der im Fachjargon als Zusatzversorgung bezeichnet wird. Fast 500 Frauen, Männer und Kinder nehmen zudem regelmäßig am Mittagessen teil, das jeden Mittwoch angeboten wird.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Engagierte Unterstützung durch lokale Unternehmen

Um Engpässe bei der Lebensmittelversorgung zu vermeiden, setzt die Tafel auf die verlässliche Unterstützung lokaler Akteure. Ein herausragendes Beispiel ist der Rewe-Markt-Betreiber Matthias Becker, der seit vielen Jahren als spendabler Gönner bekannt ist. „Er unterstützt, wo er kann, ist absolut verlässlich“, lobt Kerstin Kühn.

Zu Wochenbeginn startete in Beckers Supermarkt in der Steinstraße die diesjährige „Tüten“-Aktion unter dem Motto „Gemeinsam Teller füllen“. Kunden haben in den nächsten 14 Tagen die Möglichkeit, zusätzlich zum eigenen Einkauf haltbare Lebensmittel zu erwerben und der Tafel zur Verfügung zu stellen. Durch ein praktisches Scansystem müssen die gefüllten Tüten nicht mehr zur Kasse getragen werden – ein Zeichen der modernen Hilfsbereitschaft.

Herausforderungen und Forderungen

Obwohl die Monate Februar, März und April traditionell schwächere Spendenmonate sind, betont Kühn: „Aber noch musste bei uns niemand mit leeren Taschen weggeschickt werden.“ Neben den Spendern dankt sie insbesondere den Zuverdienstkräften und Ehrenamtlern, unter denen sich auch viele Menschen mit Migrationshintergrund befinden. Diese engagieren sich aktiv und unterstützen so die Verständigung innerhalb der Hilfsgemeinschaft.

Mit einem deutlichen Appell wendet sich Kerstin Kühn an die Regierung: Sie fordert die Einführung von Rentenpunkten für ehrenamtliches Engagement. „Damit wäre den Helfern am meisten geholfen“, argumentiert die Tafel-Chefin und unterstreicht damit die Bedeutung der freiwilligen Arbeit für den sozialen Zusammenhalt.

Die Prenzlauer Tafel steht exemplarisch für die wachsenden Herausforderungen durch Inflation und Migration – und für die beeindruckende Solidarität, die in schwierigen Zeiten entstehen kann.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration