Sozialkaufhaus in Anklam schließt endgültig: Ausverkauf mit Kleidung für zehn Cent
In der Lindenstraße 28 in Anklam geht eine Ära zu Ende. Das gemeinnützige Kaufhaus Novi-Life, das seit fast 15 Jahren als wichtiger sozialer Treffpunkt und Einkaufsmöglichkeit für einkommensschwache Gruppen diente, muss seine Türen schließen. Die Schließung erfolgt aus wirtschaftlichen Gründen, die trotz der großen Bedeutung für die Gemeinde nicht mehr zu überwinden sind.
Letzter öffentlicher Tag am 12. Juni – dann ist endgültig Schluss
Birgit Heidschmidt, die Leiterin des Sozialkaufhauses, erklärt mit bedrückter Stimme: "Unseren letzten öffentlichen Tag haben wir am 12. Juni dieses Jahres. Anschließend müssen wir noch einige Rückbauarbeiten durchführen. Zum 30. Juni läuft die Maßnahme, die wir hier betreuen, dann endgültig aus." Die engagierte Frau, die bald ihr 15-jähriges Jubiläum im Geschäft gefeiert hätte, wird diesen Meilenstein nicht mehr im aktiven Dienst erleben können.
Ihre Kollegin Laura Hagemeister ergänzt traurig: "Die Menschen, die hierherkommen, sind alle todtraurig. Für Anklam ist es sowieso schlimm, besonders hier im Stadtwald. Hier gibt es ja kaum noch etwas. Die Leute haben nicht nur hier eingekauft, sie haben sich hier getroffen, sich ausgetauscht und ihr Leid geklagt. Das wird wirklich fehlen."
Wirtschaftliche Zwänge zwingen zur Schließung
Reik Möller, stellvertretender Leiter der Fortbildungsakademie der Wirtschaft, die als Träger des gemeinnützigen Kaufhauses fungiert, erläutert die Gründe für die schwierige Entscheidung: "Unter anderem sind die Lohnkosten deutlich gestiegen, weshalb wir irgendwann an den Punkt gekommen sind, zu sagen: 'Das passt nicht mehr zusammen'. Auch eine finanzielle Mehrbelastung der Kundschaft war spürbar."
Möller führt weiter aus: "Im Zweifelsfall priorisieren die Menschen Lebensmittel gegenüber Möbeln oder Bekleidung. Es ist sehr schade und tut uns auch sehr leid. An solchen Sozialkaufhäusern hängt auch unser Herz. Aber auch wir sind wirtschaftlichen Zwängen unterworfen, und am Ende muss wenigstens eine schwarze Null herauskommen."
Einzigartiges Sortiment aus Spenden: Von DDR-Spielen bis zur Orgel
Das Sozialkaufhaus bot über die Jahre ein beeindruckendes Sortiment, das ausschließlich aus Spenden entstand. Monatlich gingen zwischen 400 und 500 Spenden ein, die zu vergleichsweise niedrigen Preisen an einkommensschwache Gruppen verkauft wurden. Das Angebot umfasste:
- Möbel aller Art
- Dekorationsartikel und Kuriositäten
- Viele Textilien und Bekleidungsstücke
- Besondere Sammlerstücke und Raritäten
Birgit Heidschmidt erinnert sich an besondere Highlights: "Vor Kurzem hat jemand ganz viele DDR-Spiele, also Gesellschaftsspiele, gespendet. Die sind alle weggegangen, wie sonst was. Wir hatten auch schon einmal eine Orgel, aber das ist schon Jahre her." Die Orgel wurde damals an eine Kirche weitergegeben und fand so einen würdigen neuen Platz.
Ausverkauf: Alles muss raus – jedes Teil für zehn Cent
Um die noch vorhandenen Waren zu reduzieren und möglichst nichts wegwerfen zu müssen, hat das Sozialkaufhaus einen radikalen Ausverkauf gestartet. Birgit Heidschmidt erklärt: "Wir machen jetzt diese Aktion, dass jedes Teil – ob Hosen, Pullover, Schuhe oder Tischdecken – alles nur noch zehn Cent kostet. So versuchen wir dem entgegenzuwirken, dass wir nichts wegschmeißen müssen."
Bei den Möbeln versucht man zunächst noch, sie zu ihrem eigentlichen Preis zu verkaufen. Doch auch hier wird man später mit den Preisen deutlich nach unten gehen müssen, um alles loszuwerden.
Perspektiven für die Angestellten ungewiss
Besonders bedauerlich ist die Situation der Angestellten. Viele von ihnen arbeiten auf Ein-Euro-Job-Basis und wurden im gemeinnützigen Kaufhaus für den Verkauf angelernt. Laura Hagemeister, die selbst auf dieser Basis angestellt ist und über das Jobcenter auf die Stelle aufmerksam wurde, sagt: "Alles daran hat mir gefallen. Zuerst einmal die Leute hier, das ist die halbe Miete, und dann die Tätigkeiten. Kassieren, telefonieren, alles vorbereiten, schick machen und die Chefin unterstützen."
Wie es nach der Schließung für sie weitergeht, weiß sie noch nicht. Auch ihre Kollegen sind enttäuscht von der Schließung, mit der bis zuletzt niemand gerechnet hatte. Hagemeister erklärt sichtlich betroffen: "Gerüchte gab es vorher schon immer, aber ich habe wirklich damit gerechnet, dass es weitergeht. Es wird ja nun mal gebraucht."
Ein sozialer Treffpunkt verschwindet
Birgit Heidschmidt fasst die Bedeutung des Sozialkaufhauses zusammen: "Dieser Anlaufpunkt für Sozialhilfeempfänger – wirklich günstig Textilien zu kaufen, Möbel zu kaufen – der fehlt. Dieser Anlaufpunkt, hierherzukommen, sich zu treffen und günstig einzukaufen, der fehlt."
Über die Jahre sind aus den Kontakten zu Kunden und Mitarbeitern sogar Freundschaften entstanden, die nun einen wichtigen Mittelpunkt verlieren. Die Schließung des Sozialkaufhauses Novi-Life bedeutet nicht nur den Verlust einer günstigen Einkaufsmöglichkeit, sondern auch das Ende eines sozialen Treffpunkts, der für viele Menschen in Anklam und der Region Vorpommern-Greifswald unersetzlich war.



