Mental Load: Warum der tägliche Alltagstrott besonders erschöpfend wirkt
Mental Load: Warum Alltagstrott besonders erschöpfend ist

Mental Load: Warum der tägliche Alltagstrott besonders erschöpfend wirkt

Abendessen planen versus Steuererklärung erledigen: Was ist eigentlich anstrengender? Beim Thema Mental Load ziehen Paare häufig unpassende Vergleiche, die nicht zielführend sind, wie eine Expertin erklärt.

Die unsichtbare Last des Alltags

Mental Load und Alltagstrott: Oft sind es gerade die kleinen, wiederkehrenden Aufgaben, die ermüden und die mentale Belastung verursachen. Kinder wecken, Mahlzeiten vorbereiten, Termine im Blick behalten oder Wäsche organisieren – viele dieser Alltagsaufgaben wirken auf den ersten Blick banal. Beim Thema Mental Load kommt es jedoch nicht darauf an, wie groß oder zeitaufwendig eine Aufgabe ist.

Vielmehr geht es um die vielen kleinen Dinge, die jeden Tag aufs Neue wiederkehren. Besonders erschöpfend sei der sogenannte Alltagstrott, wie Laura Fröhlich als Autorin und Speakerin zum Thema Mental Load in ihrem aktuellen Newsletter schreibt.

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Alltägliche versus gelegentliche Aufgaben

Ganz allgemein beschreibt Mental Load die unsichtbare Denkarbeit hinter dem Alltag – also das Planen, Organisieren und Erinnern, damit im Familienleben alles reibungslos funktioniert. Diese dauerhafte Verantwortung kostet nicht nur wertvolle Zeit, sondern kann auch die Gesundheit nachhaltig belasten. Sie wirkt als permanenter Stressfaktor und steht unter anderem mit folgenden Problemen in Zusammenhang:

  • Chronische Erschöpfung und Burnout-Symptome
  • Schlafprobleme und nächtliches Grübeln
  • Psychische Belastungen und emotionale Überforderung

Vor diesem Hintergrund greift ein häufiger Vergleich deutlich zu kurz, wie Fröhlich anschaulich illustriert: Wenn ein Partner oder Elternteil darauf verweist, sich um die Steuererklärung zu kümmern, den Wlan-Router zu konfigurieren oder den Rasen zu mähen, sind das zwar wichtige und notwendige Aufgaben. Sie fallen jedoch meist nur gelegentlich an – im krassen Gegensatz zu den täglichen Routinen, die den Alltag strukturieren.

Ungleiche Verteilung der unsichtbaren Arbeit

Alltägliche und wiederkehrende Aufgaben haben Fröhlich zufolge einen besonders großen Einfluss auf den Mental Load. Zahlreiche Studien zeigen zudem, dass diese Form der unsichtbaren Alltagsorganisation in vielen Haushalten ungleich verteilt ist: Frauen tragen in den meisten Familien den größten Anteil an dieser kognitiven Arbeit, auch wenn sich die äußeren Aufgaben scheinbar fair aufteilen lassen.

Die Expertin rät deshalb, genauer hinzuschauen, welche Aufgaben regelmäßig bei einer Person liegen – und kritisch zu hinterfragen, ob diese Verteilung tatsächlich sinnvoll und fair ist. Was oft als Kleinkram abgetan wird, müsse zunächst sichtbar gemacht werden, bevor eine Veränderung möglich ist.

Praktische Ansätze für eine gerechtere Verteilung

Eine gerechtere Aufteilung der Mental Load muss nicht ad hoc und radikal umgesetzt werden. Oft können Familien bereits im Alltag mit kleinen Schritten ansetzen:

  1. Kinder einbeziehen: Je nach Alter können Kinder selbst ihren Wecker stellen oder einfache Aufgaben übernehmen.
  2. Partnerverantwortung: Partnerinnen oder Partner können feste, wiederkehrende Aufgaben dauerhaft übernehmen.
  3. Vereinfachung und Automatisierung: Prüfen, welche Abläufe sich vereinfachen lassen, etwa durch eine Futterstation für Haustiere oder regelmäßige Liefer-Abos für häufig benötigte Produkte.

Hilfreich kann es auch sein, den eigenen Alltagstrott systematisch zu erfassen – beispielsweise mit Hilfe von detaillierten Checklisten oder umfassenden Aufgabenübersichten. Praktische Vorlagen finden sich vielfach im Internet. Sie machen sichtbar, welche Routinen tatsächlich täglich oder wöchentlich anfallen, und erleichtern es erheblich, Verantwortung neu und fairer zu verteilen.

Letztlich geht es darum, die unsichtbare Arbeit sichtbar zu machen und anzuerkennen, dass der tägliche Alltagstrott – trotz seiner vermeintlichen Banalität – eine erhebliche psychische Belastung darstellen kann, die fair aufgeteilt werden sollte.

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