IW-Studie enthüllt: Mehrarbeit für Kleinverdiener lohnt sich kaum noch
Mehrarbeit für Kleinverdiener lohnt sich kaum noch

IW-Studie enthüllt: Mehrarbeit für Kleinverdiener lohnt sich kaum noch

Eine aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) offenbart ein gravierendes Problem für Familien mit niedrigem Einkommen. Demnach bringt zusätzlicher Arbeitseinsatz finanziell oft kaum noch Vorteile, da gleichzeitig der Anspruch auf staatliche Unterstützungen sinkt.

Das Paradoxon der Mehrarbeit

Wer mehr Stunden arbeitet oder eine Gehaltserhöhung erhält, könnte erwarten, am Monatsende deutlich mehr Geld zur Verfügung zu haben. Doch die Realität sieht für viele Kleinverdiener anders aus. Seit der sogenannten „Wohngeld-Plus“-Reform im Jahr 2023 hat sich laut den IW-Ökonomen der Einkommensbereich erheblich vergrößert, in dem zusätzliche Arbeit „kaum oder gar nicht zu einem höheren verfügbaren Einkommen führt“.

Der Grund dafür liegt in einem komplexen Wechselspiel zwischen Erwerbseinkommen und Sozialleistungen. Mit jedem zusätzlich verdienten Euro reduziert sich parallel der Anspruch auf Unterstützungen wie Wohngeld oder Kinderzuschlag. Dieses Phänomen führt dazu, dass der finanzielle Nutzen von Mehrarbeit für betroffene Haushalte stark geschmälert wird.

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Die Transferentzugsrate als Schlüsselproblem

Im Zentrum der Problematik steht, was Ökonomen als Transferentzugsrate bezeichnen. Diese Kennzahl beziffert den Anteil eines zusätzlichen Einkommens, der durch sinkende staatliche Leistungen wieder verloren geht. Die IW-Studie zeigt alarmierende Werte: Beim Wohngeld liegt diese Rate im Durchschnitt zwischen 40 und 70 Prozent.

Das bedeutet konkret: Von einem zusätzlich verdienten Euro bleiben nach Abzug der Sozialleistungen nur noch 30 bis 60 Cent effektiv übrig – und das noch bevor Steuern abgezogen werden. Dieser Mechanismus schafft eine Situation, in der sich zusätzlicher Arbeitseinsatz finanziell kaum auszahlt.

Kumulationseffekt bei mehreren Sozialleistungen

Besonders problematisch wird die Situation, wenn sich mehrere Sozialleistungen überlagern. Die Studie weist nach, dass der Effekt besonders stark ausfällt, wenn beispielsweise sowohl Wohngeld als auch Kinderzuschlag parallel bezogen werden. Beide Leistungen schmelzen mit steigendem Erwerbseinkommen ab, was zu einer doppelten Belastung führt.

Die IW-Ökonomen identifizieren als Ursache eine „mangelhafte Abstimmung“ der verschiedenen Sozialleistungen untereinander. Dieser strukturelle Mangel führt dazu, dass die Anreize für zusätzliche Arbeit weiter sinken, anstatt gestärkt zu werden.

Vorschläge für eine grundlegende Reform

Als Lösung bringen die Experten eine umfassende Reform des Sozialleistungssystems ins Spiel. Sozialleistungen wie Grundsicherung, Wohngeld und Kinderzuschlag sollten besser aufeinander abgestimmt oder sogar in ein einheitliches System zusammengeführt werden.

Die Ziele einer solchen Reform wären vielfältig:

  • Reduzierung bürokratischer Hürden
  • Erhöhung der Transparenz für Betroffene
  • Wiederherstellung spürbarer finanzieller Anreize für Arbeit
  • Vereinfachung des gesamten Systems

Die Studie macht deutlich, dass ohne strukturelle Veränderungen die Motivation für Mehrarbeit bei Kleinverdienern weiter schwinden wird. Dies hätte nicht nur individuelle Konsequenzen für betroffene Familien, sondern könnte sich auch gesamtwirtschaftlich negativ auswirken.

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