Goldbrand bis Doppelkorn: Diese Kult-Alkoholmarken prägten den Alltag in der DDR
In der Deutschen Demokratischen Republik gehörte Alkohol für viele Bürger selbstverständlich zum täglichen Leben. Besonders Schnaps und Sekt entwickelten sich zu echten Kultmarken, die noch heute in Erinnerung geblieben sind. Statistiken aus den späten 1980er Jahren zeigen, dass der Alkoholkonsum in Ostdeutschland zu den höchsten in ganz Europa zählte.
Durchschnittlich trank jeder DDR-Bürger im Jahr mehr als 23 Flaschen Spirituosen – und dabei waren Bier, Wein und selbst gebrannter Schnaps aus der Nachbarschaft noch nicht einmal eingerechnet. Kein Wunder also, dass sich in dieser Zeit besondere Getränkemarken etablieren konnten, die den Alltag prägten.
Rotkäppchen-Sekt: Der meistgetrunkene Schaumwein
Rotkäppchen war der Sekt, der in der DDR wirklich überall auftauchte. Die markante Flasche mit dem roten Mützchen-Etikett war unverwechselbar und wurde zum Symbol für besondere Anlässe, die trotzdem bezahlbar blieben. Mit einem Alkoholgehalt von meist um die 11 Prozent war Rotkäppchen ein klassischer Schaumwein: leicht, prickelnd und festlich.
Die Geschichte von Rotkäppchen begann schon im 19. Jahrhundert in Freyburg an der Unstrut. In der DDR wurde die Kellerei in Sachsen-Anhalt zum volkseigenen Betrieb und stellte jedes Jahr Millionen Flaschen her. Fast jede Familie hatte eine Rotkäppchen-Flasche im Schrank stehen – oft auch auf Vorrat.
Nordhäuser Doppelkorn: Der klare Schnaps
Kaum ein Klarer war im Osten so bekannt wie der Doppelkorn aus Nordhausen. In vielen Haushalten stand er griffbereit im Küchenschrank, wurde nach getaner Arbeit eingeschenkt oder gehörte bei Familienfeiern selbstverständlich auf den Tisch. Hergestellt wurde er in einer Brennerei in Nordhausen, deren Geschichte bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht.
Mit 38 Prozent Alkohol hat der Doppelkorn, der aus Getreide gebrannt wird, einen klaren und kräftigen Geschmack. Zu DDR-Zeiten wurde der Nordhäuser Doppelkorn im volkseigenen Betrieb produziert und wurde zum größten Spirituosenproduzenten der DDR.
Pfefferminzlikör: Der grüne Klassiker
Pfefferminzlikör, in der DDR meist einfach "Pfeffi" genannt, war ein echter Klassiker unter den Kräuterschnäpsen. Mit 18 oder 25 Prozent Alkohol, manche Sorten sogar noch stärker, hatte er es ordentlich in sich. Das giftgrüne Elixier brannte kühl und scharf zugleich und war mit seiner knalligen Flasche auf jeder Feier sofort zu erkennen.
In den vergangenen Jahren hat Pfeffi ein kleines Comeback gefeiert: Er ist nicht nur im Osten weiterhin beliebt, sondern hat sich auch in ganz Deutschland als Kultgetränk etabliert.
Berliner Pilsner: Das Feierabendbier
Es war im Osten das Bier für den Feierabend nach der Schicht, für den Stammtisch im Klubhaus oder das Grillwochenende im Kleingarten. Berliner Pilsner war kein Luxusprodukt und wollte es auch nicht sein. Mit rund fünf Prozent Alkohol war es ein klassisches, leicht trinkbares Pils: erfrischend und zuverlässig.
Die Wurzeln der Marke reichen bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zurück, als Berlin noch eine echte Brauereimetropole war. In der DDR gehörte Berliner Pilsner zu den bekanntesten Bieren in Ostberlin und Umgebung.
Goldbrand: Der Weinbrand-Klassiker
Kaum ein Schnaps war in der DDR so verbreitet wie Goldbrand. In vielen Haushalten stand er griffbereit im Küchenschrank, im Keller oder wurde bei Feiern selbstverständlich auf den Tisch gestellt. Goldbrand war keine einzelne Marke, sondern eine Schnapssorte, die in mehreren Betrieben hergestellt wurde.
Er bestand aus Weinbrand und zusätzlichem Alkohol, meist etwa 32 Prozent. Getrunken wurde Goldbrand in der Regel pur, manchmal gut gekühlt, manchmal gemischt. Er war stark, aber nicht zu stark – genau richtig für einen Abend mit Freunden oder Familie.
Goldkrone: Der braune Schnaps
Goldkrone gehörte in der DDR zu den Schnäpsen, die man sofort erkannte. Nicht wegen einer auffälligen Flasche, sondern wegen seines typisch braunen Farbtons und des unverwechselbaren Geschmacks. Mit einem festen Preis von 27 Mark pro 0,7-Liter-Flasche war Goldkrone nicht gerade günstig, aber für viele trotzdem erschwinglich.
Wegen seiner Farbe nannte man ihn auch oft einfach "den Braunen". Nach der Wende gab es Streit um die Produktionsrechte, doch Goldkrone überlebte. Heute stellt nur noch die Wilthener Weinbrennerei in Sachsen das Getränk her.
Kristall Wodka: Der "Blaue Würger"
Kristall Wodka war der bekannteste Wodka der DDR. Er war kein Getränk zum Genießen, sondern eines mit Wirkung. Mit 40 Prozent Alkohol war er sehr stark. Man erkannte ihn sofort an der Flasche mit dem blauen Etikett. Deshalb nannten ihn viele auch den "Blauen Würger".
Getrunken wurde er meist pur, aus kleinen Schnapsgläsern oder direkt aus der Flasche. Oft gab es dazu etwas zu essen, zum Beispiel saure Gurken oder Mischbrot. Das gehörte einfach dazu. Kristall Wodka war Teil einer ausgeprägten Trinkkultur in der DDR.



