Erzbischof Koch startet Pastoralen Raum in Prignitz: Drei Pfarreien fusionieren zur Großpfarrei
Der Berliner katholische Erzbischof Heiner Koch hat am Freitagabend in Wittenberge den Startschuss für einen neuen Pastoralen Raum in der Prignitz gegeben. In einem feierlichen Gottesdienst in der Kirche St. Heinrich leitete er die Entwicklungsphase ein, die zur Fusion von drei bestehenden Pfarreien führen soll. Ziel ist die Gründung einer Großpfarrei bis spätestens zum 1. Januar 2029.
Fusion als Antwort auf schwindende Gemeindemitglieder
Die katholische Kirche verzeichnet seit Jahren einen kontinuierlichen Mitgliederschwund, der durch Überalterung, Todesfälle und vermehrte Kirchenaustritte verursacht wird. In der Prignitz hat diese Entwicklung nun konkrete strukturelle Konsequenzen. Die drei betroffenen Pfarreien sind St. Heinrich in Wittenberge, Heilig Kreuz in Wittstock – zu der auch Meyenburg und Pritzwalk gehören – sowie Heilig Geist in Kyritz und Neustadt/Dosse.
Derzeit zählt jede dieser Pfarreien etwa 1000 Mitglieder, die sich auf Gemeinden in Wittenberge, Perleberg, Havelberg, Pritzwalk, Meyenburg, Wittstock, Neustadt/Dosse und Kyritz verteilen. Bereits in den vergangenen Jahren mussten die Kapellen in Bad Wilsnack und Lenzen geschlossen werden. Selbst nach der Fusion wird die neue Großpfarrei nur rund 3000 Gläubige umfassen, die sich auf eine Fläche von mehr als 3600 Quadratkilometern erstrecken.
„Das bedeutet, auf 1,2 Quadratkilometer kommt ein Katholik“, bemerkte Erzbischof Koch während des Gottesdienstes nicht ohne ein leichtes Schmunzeln. Diese statistische Veranschaulichung unterstreicht die Herausforderungen, vor denen die Kirche in der dünn besiedelten Region steht.
Neue Strukturen: Weniger Priester, mehr Verwaltungspersonal
Derzeit werden die Katholiken in diesem Gebiet von drei Priestern betreut: Vinsensius Visca, der im Herbst vergangenen Jahres die Pfarrei St. Heinrich in Wittenberge übernommen hat und als leitender Pfarrer der künftigen Großpfarrei vorgesehen ist; Pater Harold Bumann, der für die Pfarrei Heilig Kreuz zuständig ist; sowie Pfarrer Markus Hahn, der Heilig Geist in Kyritz und Neustadt/Dosse betreut und Ende des Monats von Pfarrer Markus Hartung abgelöst wird.
Unterstützt werden diese Geistlichen durch Pater Martin Conforte, der als Kaplan in Heilig Kreuz wirkt, und die Gemeindereferentin Edeltraud Richter aus Wittstock. Nach den Plänen von Pfarrer Visca sollen perspektivisch nur noch zwei Pfarrer für die gesamte Großpfarrei verantwortlich sein, dafür aber zwei Gemeindereferenten hinzukommen.
Zusätzlich werden zwei halbe Stellen für Verwaltungsleiter geschaffen, die die Priester in Bereichen wie Immobilienverwaltung und kaufmännischen Angelegenheiten entlasten sollen. Diese strukturellen Anpassungen spiegeln den Versuch wider, mit weniger pastoralem Personal effizienter zu arbeiten und administrative Aufgaben zu professionalisieren.
Symbolik der Brücke: Erzbischof betont geistige Dimension der Fusion
In seiner Predigt während des Eröffnungsgottesdienstes griff Erzbischof Heiner Koch das Bild einer Brücke auf, um den Prozess des Zusammenwachsens zu beschreiben. Er zeigte den Gläubigen einen Stein, der von der im Jugoslawien-Krieg zerstörten Brücke aus Mostar in Bosnien-Herzegowina stammt.
„Auch den neuen Pastoralen Raum verstehe ich als Brückenraum“, erklärte Koch. „Hier sollen Menschen Brücken bauen und Wege zueinander suchen. Das betrifft besonders die einzelnen Gemeinden. Es ist notwendig, dass wir zusammengehen und uns gegenseitig stützen.“
Der Erzbischof betonte, dass es bei der Fusion um mehr gehe als eine bloße Verwaltungsreform. Es handele sich um eine innere Haltung, die das aktive Aufeinanderzugehen und die gegenseitige Unterstützung in den Mittelpunkt stelle. Brücken müssten nicht nur zwischen den Gemeinden, sondern auch zu Gott und zur Gesellschaft geschlagen werden, in der immer weniger Menschen der Kirche angehörten.
Unterstützung aus der Kommunalpolitik
Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann (parteilos) richtete während der Veranstaltung ermutigende Worte an die versammelten Gläubigen. Er erinnerte daran, dass sich die Elbestadt in den vergangenen drei Jahrzehnten stark gewandelt habe und mit verschiedenen Herausforderungen umgehen musste.
„Der ländliche Raum kennt sich aus mit Aufbrüchen“, betonte Hermann und signalisierte damit Verständnis für den kirchlichen Transformationsprozess. Seine Anwesenheit und unterstützenden Worte unterstreichen die Bedeutung, die der Fusion für die regionale Gemeinschaft beigemessen wird.
Während des Gottesdienstes wurden für jeden „Ort kirchlichen Lebens“ in der künftigen Prignitzer Großpfarrei Kerzen entzündet – ein symbolischer Akt, der die Verbundenheit der verschiedenen Gemeindestandorte visualisierte. Die Katholiken zwischen Lenzen und Wittstock sollen sich nun in einer Entwicklungsphase auf den endgültigen Zusammenschluss vorbereiten, der innerhalb der nächsten drei Jahre vollzogen werden soll.



