Boizenburger Stadtkirche wird zum offenen Raum für alle
Was in vielen europäischen Städten längst zum Alltag gehört, etabliert sich nun auch in Boizenburg: Die evangelische Kirchengemeinde öffnet ihre Stadtkirche regelmäßig für Besucherinnen und Besucher. Pastor Daniel Havemann setzt sich aktiv dafür ein, die Kirche stärker zugänglich zu machen und Barrieren abzubauen. „Eine offene Tür signalisiert den Menschen, dass sie jederzeit willkommen sind“, erklärt der engagierte Geistliche.
Von spontanen Öffnungen zu festen Zeiten
Bereits im vergangenen Sommer begann die Gemeinde mit ersten Schritten in Richtung mehr Offenheit. Die Kirche wurde immer wieder spontan geöffnet, wenn Interesse erkennbar war. Die Resonanz übertraf alle Erwartungen: „Viele sind ganz selbstverständlich hereingekommen, haben sich umgesehen oder einfach still hingesetzt“, berichtet Havemann von den positiven Erfahrungen.
Nach der Winterpause nahm das Projekt rund um Ostern wieder Fahrt auf – diesmal mit klar strukturierten Öffnungszeiten. Die Kirche wird künftig mittwochs während der Marktzeit geöffnet sein. An den Wochenenden ist eine regelmäßige Öffnung vom Vormittag bis in den späten Nachmittag oder frühen Abend vorgesehen. Pastor Havemann betont den behutsamen Ansatz: „Wir schauen, was realistisch umsetzbar ist und wachsen langsam in das Konzept hinein.“
Vertrauen statt Kontrolle
Die Gemeinde setzt bewusst auf ein offenes Miteinander und verzichtet auf strenge Kontrollmechanismen. „Wir vertrauen darauf, dass die Menschen achtsam mit dem Raum umgehen“, so Havemann. Diese Haltung spiegelt sich auch in anderen Aktivitäten der Gemeinde wider. Seit etwa zwei Jahren stellt die Kirchengemeinde regelmäßig ihre Räume für das beliebte Repair-Café zur Verfügung – ein weiteres Zeichen der Öffnung nach innen und außen.
Zudem fand am vergangenen Wochenende bereits zum zweiten Mal ein bunter Flohmarkt rund um das Kirchengebäude statt. Diese Veranstaltungen stehen symbolisch für den Wandel der Gemeinde hin zu mehr Offenheit und Präsenz im städtischen Leben.
Mehr als nur geöffnete Türen
Langfristig möchte die Gemeinde mehr bieten als nur Zugang zum Kirchenraum. Der Innenraum soll so gestaltet werden, dass sich Besucherinnen und Besucher angesprochen fühlen und gerne verweilen. Geplant sind unter anderem Kerzen zum Anzünden, kleine Texte zum Nachdenken sowie ruhige Bereiche, die Raum für persönliche Momente schaffen.
Dabei geht es weniger um klassische Gottesdienste als vielmehr um individuelle Erfahrungen, die unabhängig von einer festen religiösen Bindung möglich sind. „Es soll nach und nach etwas entstehen, das die Menschen auf unterschiedliche Weise anspricht“, beschreibt Havemann den behutsamen Prozess.
Kirche mitten im Alltag
Mit der regelmäßigen Öffnung verändert sich auch die Rolle der Kirche im Stadtbild von Boizenburg. Sie rückt wieder näher an den Alltag der Menschen heran und ist nicht mehr nur zu traditionellen Gottesdienstzeiten präsent. So entsteht ein Ort der Ruhe und Besinnung, der unabhängig von persönlichen Überzeugungen aufgesucht werden kann.
Pastor Daniel Havemann bringt diesen Gedanken prägnant auf den Punkt: „Die Kirche ist ein Raum für jeden, unabhängig davon, was jemand glaubt oder sucht.“ Diese Vision eines offenen, einladenden Kirchenraums wird in Boizenburg nun Schritt für Schritt Wirklichkeit – ein Modell, das auch für andere Gemeinden inspirierend sein könnte.



