Martensteins Kritik: Kiwi als Symbol im Geschlechterdiskurs
Martenstein: Kiwi als Symbol im Geschlechterdiskurs

Martensteins satirischer Blick auf die Geschlechterdebatte

In seiner täglichen Kolumne für BILD nimmt Harald Martenstein (72) die aktuelle Kontroverse um einen wissenschaftlichen Vortrag aufs Korn. Die Biologin Marie-Luise Vollbrecht hatte in Berlin einen Film der Amadeu Antonio Stiftung gezeigt, der Kiwi-Warnungen enthielt, kombiniert mit einem leidenschaftlichen Anti-Kiwi-Appell von Marina Weisband.

Die Kiwi als politisches Symbol

Die Frucht gilt neuerdings in bestimmten Kreisen als rechtsextremes und transfeindliches Symbol. Grund dafür ist, dass Vollbrecht in ihrem Vortrag die Kiwi als biologisches Beispiel dafür verwendete, dass es in der Natur nur zwei Geschlechter gebe – nicht beliebig viele. Die braune Schale der exotischen Frucht tat nach Ansicht einiger Kritiker ein Übriges, um sie als Symbol zu stilisieren.

Martenstein fragt sich in seiner charakteristisch ironischen Art: „Nur zwei Geschlechter? Ich glaube, jeder weiß das. Man soll es aber aus Höflichkeit bitte nicht öffentlich sagen.“ Er zieht einen Vergleich zu alltäglichen Situationen: „Wenn jemandem im Restaurant eine Nudel an der Nase hängt, oder der Hosenstall ist offen, sagt man das ja auch nicht laut.“

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Deutsche Obstfeindlichkeit und ihre Hintergründe

Der Kolumnist wundert sich über eine spezifisch deutsche Form der Obstfeindlichkeit, die er als „Anti-Frutarismus“ bezeichnet. Er zählt Beispiele auf: „Die Banane wird wegen der ‚Bananenrepubliken‘ gedisst, bei Orange denkt man an ‚Orangenhaut‘, beim Apfel an kotende Pferde, die Birne hatte wegen Helmut Kohl eine schwere Zeit.“

Nun sei also die leckere Kiwi an der Reihe, politisch instrumentalisiert zu werden. Martenstein adressiert die Biologin direkt: „Mit dieser Schuld werden Sie leben müssen, Frau Vollbrecht.“

Sprachliche Tabus und gesellschaftliche Debatten

Der Autor reflektiert über die Grenzen des Sagbaren in der heutigen Gesellschaft. Während man noch problemlos behaupten könne, dass es nur eine Sonne gebe – ohne als mondfeindlich zu gelten –, werde die Aussage „es gibt nur einen Rudi Völler“ bereits als metzgerfeindlich interpretiert. Dies bezieht sich auf den Metzgermeister Rudi Völler aus Lich bei Gießen, der namensgleich mit dem Fußballer ist.

Martensteins Kolumne endet mit der für ihn typischen Mischung aus Scharfsinn und augenzwinkernder Provokation, die regelmäßig Diskussionen auslöst. Die Redaktion bietet Lesern wie üblich die Möglichkeit, direkt auf den Artikel zu reagieren oder Fehler zu melden.

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