EU-App als digitaler Türsteher: So soll die Altersüberprüfung Kinder im Netz schützen
EU-App als digitaler Türsteher für Kinder im Netz

EU-App als digitaler Türsteher: So soll die Altersüberprüfung Kinder im Netz schützen

In der Debatte um den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet wirbt die Europäische Kommission intensiv für eine neue EU-App zur digitalen Altersüberprüfung. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat Deutschland und andere Mitgliedstaaten dazu aufgerufen, ihren Bürgerinnen und Bürgern eine nationale Version dieser App zur Verfügung zu stellen. Die technische Vorlage dafür sei nun vollständig fertiggestellt und bereit für die Implementierung.

Funktionsweise der Verifikations-App

Die Verifikations-App ermöglicht es, das Alter von Nutzerinnen und Nutzern anonym zu prüfen, ohne persönliche Daten wie Namen oder Geburtsdaten zu speichern. Dafür können Nutzer beispielsweise ihren Personalausweis oder Reisepass abfotografieren und mit der Frontkamera ihres Smartphones einen Gesichtsscan durchführen. Die App gleicht beide Informationen ab und speichert anschließend lediglich, ob eine Person laut den Angaben auf dem Ausweisdokument eine bestimmte Altersgrenze überschritten hat.

Wenn altersbegrenzte Seiten oder Inhalte aufgerufen werden sollen, kann die App bestätigen, ob die Nutzerin oder der Nutzer dazu berechtigt ist. Laut Europäischer Kommission gibt die entwickelte Software dabei ausschließlich die Information weiter, ob die Person alt genug ist, nicht jedoch das Geburtsdatum oder andere detaillierte Angaben.

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Einführung in Deutschland und EU-weite Pläne

Deutschland hat die App bisher nicht getestet, im Gegensatz zu Ländern wie Dänemark, Frankreich, Spanien, Griechenland und Italien. Die Bundesrepublik gehört auch nicht zu den sieben Mitgliedstaaten, die bereits angekündigt haben, die App in die geplante digitale Brieftasche der EU integrieren zu wollen. Diese digitale Brieftasche soll ab Anfang 2027 in allen EU-Staaten verfügbar sein.

Die Bundesregierung plant laut Digitalminister Karsten Wildberger (CDU), dort eine auf Deutschland zugeschnittene Altersüberprüfung für Menschen ab 16 Jahren zu ermöglichen. Zusätzlich könnten private Anbieter die EU-Vorlage nutzen und angepasste Versionen anbieten, die möglicherweise bereits innerhalb der nächsten Monate in App Stores wie dem App Store oder Google Play verfügbar wären.

Verpflichtungen für Online-Plattformen

Für das Surfen im Netz ist entscheidend, ob Internetseiten und Online-Plattformen die App einbinden werden. TikTok, Instagram und andere große Online-Dienste sind nach Ansicht der EU aufgrund des Gesetzes über digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) verpflichtet, mit einer angemessenen Altersverifikation den Schutz von Minderjährigen sicherzustellen. Dies gilt insbesondere für Anbieter, die Inhalte bereitstellen, die Kinder gefährden oder verstören könnten.

Die Verifikations-App könnte es ermöglichen, anonym zu prüfen, wie alt potenzielle Nutzerinnen und Nutzer von Plattformen wie Facebook, Instagram, X und TikTok sind. Die Online-Plattformen müssen die EU-App nicht zwingend nutzen, doch das System gilt laut EU-Kommission als „Goldstandard“. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen betont, dass die Plattformen sich problemlos auf die App verlassen könnten und nun „keine Ausreden mehr“ hätten.

Mögliche Umgehungen und technische Herausforderungen

Ja, die App kann ausgetrickst werden. Beispielsweise könnten Kinder einfach die Smartphones ihrer älteren Geschwister oder Eltern mit den dort hinterlegten Informationen nutzen, wie ranghohe EU-Beamte einräumen. Zudem existieren viele technische Möglichkeiten wie VPN-Dienste, um digitale Altersschranken zu umgehen. Mit weit verbreiteten VPN-Diensten kann einer Internetseite vorgegaukelt werden, dass der Zugriff von einem Nicht-EU-Staat erfolgt.

Ein EU-Beamter erklärte, es gehe primär darum, jene Kinder zu schützen, die unbeabsichtigt mit ungeeigneten Inhalten konfrontiert würden. Die App soll als zusätzliche Sicherheitsbarriere dienen, auch wenn sie nicht alle Umgehungsmöglichkeiten vollständig verhindern kann.

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Zusammenhang mit Social-Media-Verboten

Die App könnte auch eine entscheidende Rolle für ein mögliches Verbot von Social-Media für Kinder und Jugendliche bis zu einem bestimmten Alter spielen. In Brüssel wird darüber diskutiert, ob die EU-Kommission sich für ein europaweites Mindestalter in sozialen Netzwerken einsetzen wird. Eine von der Kommission eingesetzte Expertenkommission berät dazu und soll im Sommer Vorschläge zum weiteren Vorgehen präsentieren.

Mehrere Mitgliedsländer, darunter Frankreich, Spanien, Griechenland und Österreich, haben bereits angekündigt, ein Social-Media-Verbot für Minderjährige bis zu einem bestimmten Alter gesetzlich festlegen zu wollen. Auch in Deutschland steht ein solches Verbot zur Debatte. Brüssel steht daher unter Druck, da nur die EU-Kommission den großen Online-Plattformen verbindliche Vorschriften machen darf.