Koblenz: Verdächtiger im jahrzehntealten Mordfall an US-Studentin festgenommen
Der Fall der ermordeten US-amerikanischen Studentin Amy Lopez beschäftigt die Ermittler in Koblenz seit mehr als dreißig Jahren. Jetzt, nach langer Zeit des Schweigens, hat die Polizei einen entscheidenden Durchbruch erzielt. Ein 81-jähriger Mann wurde in einem Koblenzer Seniorenheim festgenommen und sitzt nun in Untersuchungshaft. Die Hintergründe dieser Festnahme werfen ein neues Licht auf einen der längsten ungelösten Kriminalfälle der Region.
Die grausamen Details des Sexualmords
Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat sich erstmals ausführlich zu den mutmaßlichen Hintergründen der Tat geäußert. Demnach soll der Verdächtige aus sexuellen Motiven gehandelt haben. Die 24-jährige Amy Lopez wurde im September 1994 brutal ermordet. Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Mario Mannweiler war das Opfer nach der Tat im unteren Körperbereich nicht mehr bekleidet. »Der Slip fehlte«, so Mannweiler, der davon ausgeht, dass der Täter dieses Kleidungsstück als Trophäe mitgenommen hat.
Die junge Frau wurde sexuell missbraucht, stranguliert und mit einem Stein gegen den Kopf geschlagen. Mehrere Messerstiche führten schließlich zu ihrem Tod. Die Ermittler klassifizieren die Tat eindeutig als Sexualmord und sehen mindestens zwei Mordmerkmale erfüllt: Heimtücke und Tötung zur Befriedigung des Geschlechtstriebs.
Der lange Weg zur Festnahme
Jahrzehntelang fehlte jede Spur zu einem Täter in diesem Fall. Erst im Jahr 2024, bei der Überarbeitung des Falls mit modernen forensischen Methoden, tauchten männliche DNA-Spuren an Asservaten auf. Diese entscheidende Spur wurde an der Innenseite der Jeans des Opfers gefunden und wies direkt auf den nun festgenommenen 81-Jährigen hin.
Der Verdächtige war bereits strafrechtlich einschlägig in Erscheinung getreten und hat in der Vergangenheit längere Freiheitsstrafen verbüßt. Zur Tatzeit lebte er in der Region Koblenz, wo er einen großen Teil seines Lebens verbracht hat, obwohl er nicht dort geboren wurde. Bislang hat sich der Mann nicht zu den Vorwürfen geäußert, wie Mannweiler betont. Allerdings hat er die Tat bei seiner Festnahme auch nicht spontan bestritten. »Er hat sich überhaupt nicht erklärt«, so der Oberstaatsanwalt.
Der Tatort: Ein verlassenes Generalzimmer
Die damals 24-jährige Amy Lopez war am 26. September 1994 als Touristin in Deutschland unterwegs. Sie hatte sich mit dem Bus auf den Weg zu einer Besichtigung der Festung Ehrenbreitstein gemacht, kam dort aber nie an. Stattdessen fanden spielende Kinder ihre Leiche am Aufstieg zur Festung, genauer gesagt am sogenannten General-von-Aster-Zimmer.
Dieser Ort, das frühere Arbeitszimmer des preußischen Generals und Festungsbaumeisters Ernst Ludwig von Aster, stellt eine Art Lost Place dar – ein verlassenes Gebäude an einem Pfad auf halber Höhe des Festungshangs. Wie die Studentin genau zu diesem abgelegenen Tatort gelangte, bleibt bis heute ungeklärt.
Die Aufarbeitung von Cold Cases in Deutschland
Der Fall Amy Lopez steht exemplarisch für tausende ungeklärte Altfälle in Deutschland. Immer mehr Bundesländer richten deshalb spezielle »Cold-Case-Units« ein, die sich mit der Aufklärung jahrzehntealter Kapitalverbrechen befassen. Die Arbeit dieser Spezialermittler gestaltet sich oft mühsam, wie verschiedene Recherchen zeigen.
Im aktuellen Fall haben die Ermittler nach der Festnahme des 81-Jährigen über Videokonferenz Kontakt mit dem Vater des Opfers in den USA aufgenommen. Das Verfahren ist jedoch noch nicht abgeschlossen, wie Mario Mannweiler betont. Die Ermittlungen laufen weiter, während der Verdächtige in Untersuchungshaft sitzt und zu den schwerwiegenden Vorwürfen schweigt.



