Stehbier-Streit im Univiertel: Flaschenbier nur noch bis Mitternacht
Nach dem großen Krach um nächtlichen Partylärm in der Maxvorstadt gilt nun ein Kompromiss: Flaschenbier gibt es an einigen Spätverkaufs-Kiosken im Univiertel nur noch bis Mitternacht. Diese freiwillige Selbstbeschränkung der Betreiber startete bereits am 1. März, blieb jedoch zunächst unter dem Radar der Öffentlichkeit. Gerade beginnt nun ein entscheidender "Probemonat", der zeigen soll, ob die Maßnahme greift – oder ob das umstrittene 22-Uhr-Verbot vom letzten Sommer zurückkehrt.
Plakate für respektvolles Feiern an jedem Ampelmast
Wer in diesen Tagen durch die Schellingstraße in der Maxvorstadt schlendert, stößt an jedem Ampelmast auf neue Plastikschilder. "Respektvoll feiern im Univiertel – Du auch?" steht dort gelb auf petrolfarbenem Grund. Drei weiße Piktogramme zeigen einen Lautsprecher, einen Mülleimer und ein Klo mit den entsprechenden Aufforderungen: "Behalte deine Lautstärke im Blick", "Wirf deinen Müll in den Eimer" und "Benutze Toiletten".
Absender dieser Schilderaktion sind die Ruhestörungsmanager der Stadt aus der Abteilung "Allparteiliches Konfliktmanagement in München" (Akim) im Sozialreferat. Hintergrund ist der große Aufreger des letzten Sommers, als das Kreisverwaltungsreferat (KVR) Mitte August den Flaschenbierverkauf an fünf Spätverkaufs-Kiosken im Univiertel plötzlich auf 22 Uhr beschränkte. Anwohner an der Schelling-, Türken- und Amalienstraße hatten sich über nächtlichen Partylärm, Wildpinkler, Glasscherben und Müllberge massiv beschwert.
Von Protesten zum Kompromiss
Die damalige Beschränkung löste heftige Reaktionen aus. Kioskbetreiber beklagten Umsatzeinbußen, junge Leute fühlten sich gegängelt, und sogar eine Demonstration mit Plakaten wie "Durst kennt keine Uhr" fand statt. Der grüne Bürgermeister Dominik Krause, der zu diesem Zeitpunkt den urlaubenden SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter vertrat, kassierte das 22-Uhr-Verbot jedoch noch im Herbst wieder ein – mit der Begründung, bei gegenseitiger Rücksichtnahme seien Verbote unnötig.
Nun, mit den zurückkehrenden lauen Frühlingsabenden, hat sich die Situation neu entwickelt. Bei einem Runden Tisch mit Konfliktmanagern, Anwohnern, Studierenden, Polizei und KVR Ende Februar einigten sich die betroffenen Späti-Betreiber auf einen Kompromiss: Flaschenbierverkauf nur noch bis Mitternacht als "freiwillige Selbstbeschränkung".
"Ich habe zugestimmt, obwohl ich nicht wollte", erzählt ein betroffener Kioskbetreiber. "Die Alternative wäre gewesen, dass ich meinen Kiosk um 24 Uhr ganz schließen muss." Shivan Beseh, einer der betroffenen Betreiber in der Schellingstraße, bestätigt diese freiwillige Vereinbarung.
Anwohnerinitiative mit gemischten Gefühlen
Die Anwohnerinitiative, die letzten Sommer die 22-Uhr-Beschränkung erst ins Rollen brachte, existiert weiterhin. Rund 70 Partygeplagte aus dem Feierkarrée Schelling-, Türken- und Amalienstraße sind in der "Nachbarschaftsinitiative für eine l(i)ebenswerte Maxvorstadt" organisiert.
"Im Moment geht es noch, weil es abends noch nicht warm genug zum Draußen feiern ist", sagt Initiativensprecherin Marie Honrath (57), die seit zehn Jahren in der Schellingstraße wohnt. Sie habe den Kompromiss mitverhandelt und bezeichnet ihn als "guten Anfang". Auch die aufgehängten Schilder für respektvolles Feiern bewertet sie positiv.
Doch die Sorge bleibt: "Wenn herauskommt, dass es heuer genauso chaotisch wird wie letzten Sommer, werden wir als Anwohner dafür kämpfen, dass das Flaschenbierverbot um 22 Uhr zurückkommt und diesmal auch bleibt."
Probemonat mit ungewissem Ausgang
Mit diesem Wochenende beginnt ein sogenannter "Probemonat", der zeigen soll, ob die freiwilligen Maßnahmen zu mehr Ruhe in den Nächten führen. "Man hat uns angekündigt, dass das stichprobenartig kontrolliert wird", sagt Anwohnersprecherin Honrath. Im Bezirksausschuss Maxvorstadt sieht man das als "ergebnisoffenen Prozess", wie die grüne Vorsitzende Svenja Jarchow betont.
Unter den jungen Menschen im Viertel herrscht gespaltene Meinung. Studentin Pauline (24), die selbst im Viertel wohnt, zeigt Verständnis: "Einige wenige Leute können sich wirklich nicht benehmen und grölen nachts laut herum. Und dass morgens viele Scherben herumliegen, nervt mich auch." Der Großteil der Feiernden verhalte sich jedoch normal und freundlich.
Sie kritisiert pauschale Beschränkungen: "Besser wären gezielte Kontrollen, die einfach die paar Leute herausziehen, die sich danebenbenehmen."
Studentin Saskia (22) fragt sich mit Blick auf die Anwohner: "Ich verstehe, dass man schlafen will. Aber muss man zwingend ins Univiertel ziehen, wenn man es abends leise haben will?" Hanna (21) und Myriam (19) finden die unterschiedliche Behandlung von Kiosken zudem unfair: "Wenn schon, dann gleiches Recht für alle im Viertel."
Der Ausgang des Probemonats bleibt spannend – er wird entscheiden, ob die freiwillige Mitternachtsgrenze Bestand hat oder ob strengere Regelungen zurückkehren.



