Prozess in Essen: Vater und Onkel sollen bei Messerangriff Schmiere gestanden haben
Prozess: Vater und Onkel bei Messerangriff als Komplizen

Familien-Trio vor Gericht: Messerattacke an Hattinger Moschee

Im Landgericht Essen hat am Montag ein außergewöhnlicher Prozess begonnen, der die Justiz in Nordrhein-Westfalen beschäftigt. Drei Familienmitglieder – ein 15-jähriger Schüler, sein 41-jähriger Vater und sein 44-jähriger Onkel – müssen sich wegen eines brutalen Messerangriffs verantworten. Die Tat ereignete sich am Abend des 5. Oktober 2025 vor einer Moschee in Hattingen und hätte beinahe tödlich geendet.

Staatsanwaltschaft: Geplanter Angriff mit tödlicher Absicht

Laut der zuständigen Staatsanwältin Sarah Erl handelte es sich bei dem Überfall keineswegs um eine spontane Auseinandersetzung. „Es bestanden bereits seit längerer Zeit Streitigkeiten zwischen dem Angeschuldigten und dem Geschädigten, in die teilweise auch die übrige Familie involviert war“, erklärte sie vor Gericht. Nach bisherigen Ermittlungen soll ein junges Mädchen, in das beide Teenager verliebt gewesen sein sollen, der Auslöser für den Konflikt gewesen sein.

Die Anklage wirft dem 15-jährigen Ali D. versuchten Mord vor. Sein Vater Mehmet D. und sein Onkel Nurullah D. sollen als Gehilfen agiert haben. „Der angeklagte Jugendliche wollte dem Opfer dennoch eine Abreibung verpassen“, so Staatsanwältin Erl. Die Erwachsenen hätten nicht nur von den Plänen gewusst, sondern diese aktiv unterstützt.

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Tatablauf: Hinterhalt mit tödlichen Folgen

Die Ermittlungen rekonstruieren einen minutiös geplanten Hinterhalt. Demnach soll Onkel Nurullah D. seinen Bruder und Neffen zum Tatort gefahren haben und dort mit laufendem Motor im Auto gewartet haben. Vater Mehmet D. soll als Ausguck fungiert haben, um seinem Sohn Bescheid zu geben, sobald das ahnungslose Opfer die Moschee verlassen würde.

„Kaum hatte das Opfer die Straße betreten, soll ihm der Angreifer von hinten mindestens dreimal in den Rücken gestochen haben“, fasste die Staatsanwältin die brutale Attacke zusammen. Das schwer verletzte Opfer schleppte sich blutend zu einer nahegelegenen Tankstelle, wo es Hilfe fand. Eine der Stichverletzungen hatte die Lunge perforiert und führte zu akuter Lebensgefahr. Nur eine Notoperation rettete dem Jugendlichen das Leben.

Festnahme und Geständnisankündigung

Der flüchtige Angreifer wurde später im Krankenhaus festgenommen – bei der Tat hatte er sich selbst fast einen Finger abgeschnitten. Die Polizei sicherte am Tatort die blutverschmierte Jacke des Opfers mit drei deutlichen Löchern im Rückenbereich.

Rechtsanwalt Volker Schröder aus Essen, der den 15-jährigen Angeklagten verteidigt, kündigte für einen der kommenden Verhandlungstage ein umfassendes Geständnis seines Mandanten an. „Wir werden uns der Verantwortung stellen“, ließ der Verteidiger durchblicken. Ein Urteil in dem aufsehenerregenden Prozess wird für Anfang Juni erwartet. Dem Schüler droht bei einer Verurteilung eine langjährige Haftstrafe in der Jugendstrafanstalt.

Die Verhandlung wirft nicht nur Fragen zur familiären Dynamik auf, sondern auch zur Rolle der Erwachsenen, die einen Jugendlichen zu einer derartigen Gewalttat angestiftet haben sollen. Das Landgericht Essen muss nun klären, inwieweit Vater und Onkel als Mittäter oder gar Anstifter zu bewerten sind.

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