Oldenburg: Hunderte demonstrieren ein Jahr nach tödlichen Polizeischüssen gegen Polizeigewalt
Oldenburg: Demo gegen Polizeigewalt ein Jahr nach Lorenz-Tod

Oldenburg: Hunderte demonstrieren ein Jahr nach tödlichen Polizeischüssen gegen Polizeigewalt

Fast genau ein Jahr nach den tödlichen Polizeischüssen auf den 21-jährigen Lorenz haben sich in Oldenburg Hunderte Menschen versammelt, um gegen Polizeigewalt zu demonstrieren und an den jungen Mann zu erinnern. Die Kundgebung unter dem Titel „Ein Jahr ohne Lorenz“ fand auf dem Pferdemarkt statt und zog nach Polizeiangaben etwa 700 Teilnehmer an, während die organisierende Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“ im Vorfeld mit rund 5.000 Demonstranten gerechnet hatte.

Gedenken und Forderungen nach Aufklärung

Die Demonstranten trugen Banner mit Aufschriften wie „Gerechtigkeit für Lorenz“ und „Gerechte Aufklärung jetzt!“, um ihrer Solidarität mit den Angehörigen Ausdruck zu verleihen. Der gewaltsame Tod des Schwarzen am Ostersonntag 2025 in der Oldenburger Fußgängerzone hatte weit über die Stadtgrenzen hinaus für Entsetzen und Anteilnahme gesorgt. Die Initiative betonte, dass es sich aus ihrer Sicht keinen Einzelfall handelt, und erinnerte gemeinsam mit anderen Gruppen an weitere Opfer von Polizeigewalt.

Strukturelle Reformen gefordert

Die Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“ fordert einen grundlegenden Wandel in der Polizeiarbeit. Zu den zentralen Forderungen gehören:

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  • Die Einrichtung unabhängiger Ermittlungsstellen auf Bundes- und Landesebene, die vollständig von Polizei und Staatsanwaltschaft getrennt sind.
  • Zivilgesellschaftlich getragene Untersuchungskommissionen bei jedem tödlichen Polizeieinsatz.
  • Eine bundesweit verbindliche Bodycam-Pflicht für Polizeibeamte.
  • Verpflichtende rassismuskritische Inhalte in der Polizeiausbildung.

Aktivisten äußerten die Befürchtung, dass die Schüsse auf Lorenz einen rassistischen Hintergrund haben könnten, und drängen auf eine umfassende Aufklärung.

Hintergrund des Vorfalls und juristische Schritte

Lorenz wurde in der Nacht zum 20. April 2025 von einem Polizeibeamten erschossen, wobei die Kugeln ihn von hinten in Oberkörper, Hüfte und Kopf trafen. Laut Staatsanwaltschaft wollte der 21-Jährige fliehen, um einer Festnahme zu entgehen, während der Beamte irrtümlich von einer Notwehrlage ausging. Der Polizist ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, und das Landgericht Oldenburg muss noch entscheiden, ob der Fall verhandelt wird. Freunde und Familie des Getöteten fordern indes eine Anklage wegen Totschlags, was die anhaltenden Kontroversen um den Vorfall unterstreicht.

Die Demonstration markierte nicht nur ein Jahr des Gedenkens, sondern auch einen Appell für tiefgreifende Reformen, um ähnliche Tragödien in Zukunft zu verhindern und das Vertrauen in die Polizeiarbeit zu stärken.

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