Im Prozess um den Mord an dem achtjährigen Fabian aus Güstrow sind brisante neue Details bekannt geworden. Der Vater des getöteten Jungen belastet seine Ex-Freundin schwer, die als Hauptverdächtige vor dem Landgericht Rostock steht. Der 35-jährige Metallbauer schilderte am Dienstag, wie die 30-jährige Angeklagte den Tattag am 10. Oktober 2025 verbracht haben soll.
Der Tathergang aus Sicht des Vaters
Laut Aussage des Vaters hatte die Angeklagte am Morgen des 10. Oktober einen Hufschmied bei sich zu Hause, bis etwa 9 Uhr. Danach sei sie für ihre Großeltern in Güstrow unterwegs gewesen, um Besorgungen zu machen. Doch genau zu dieser Zeit, gegen 10.50 Uhr, wurde das Handy des kleinen Fabian ausgeschaltet, das er zu Hause gelassen hatte. Die Ex-Freundin schweigt bislang zu den Vorwürfen. Ihr Auto wurde von einer Überwachungskamera in der Nähe der Wohnung des Jungen gefilmt – zweimal innerhalb von neun Minuten.
Der Vater gab an, dass er trotz dieser belastenden Umstände weiterhin an die Unschuld der Frau glaube. Seit Januar 2026 sei er wieder mit ihr in einer Beziehung. Er berichtete, dass sie sich am Tattag gegen Mittag mit einem anderen Mann an einem See getroffen haben soll. Von dort sei sie nach Krakow am See gefahren, um ihren Sohn von der Schule abzuholen, und danach in Reimershagen geblieben.
Das Opfer und die Suche nach der Leiche
Fabian wurde am 10. Oktober mit sechs Messerstichen getötet. Seine Leiche wurde am 14. Oktober an einem abgelegenen Wasserloch bei Klein Upahl gefunden – angezündet, vermutlich um Spuren zu verwischen. Die Orte liegen alle wenige Kilometer voneinander entfernt, etwa 15 Kilometer südlich von Güstrow. Die Angeklagte hatte die Leiche angeblich zufällig bei einem Spaziergang entdeckt und die Polizei informiert.
Die Beziehung zwischen Vater und Angeklagter
Der Vater zeichnete ein detailliertes Bild der turbulenten Beziehung. Das Paar lernte sich 2021 kennen. Die Angeklagte brach eine Lackiererlehre aus gesundheitlichen Gründen ab und ist seitdem erwerbsunfähig berentet. Sie erhält etwa 1400 Euro im Monat und kümmerte sich um Haushalt, Tiere, Kinder und Großeltern. Pferde spielten eine große Rolle in ihrem Leben – sie besaß mehrere Ponys und Pferde, die bei ihren Großeltern in Reimershagen standen.
Im Sommer 2025 trennte sich der Vater von ihr, um mehr Freiraum zu haben. Er fühlte sich wie ein Butler und kritisierte ihren Kontrollzwang. Sie sei eifersüchtig, aber nicht gewalttätig gewesen. Dennoch versöhnten sie sich einige Tage vor dem Mord wieder, trafen sich mehrfach und schliefen miteinander. Dabei diskutierten sie über notwendige Veränderungen für eine gemeinsame Zukunft – auch über Fabian, aber nicht vorrangig.
Das Verhalten der Angeklagten am Tattag
Laut Staatsanwaltschaft erkundigte sich die Angeklagte am Tag des Verschwindens auffallend oft per Handy nach dem Befinden des Vaters. Sie schrieb: „Ich wünsche, dass Du bei mir bist.“ Als er antwortete, er habe andere Sorgen, hakte sie per Sprachnachrichten nach. Erst spät am Abend erfuhr sie von seinem Kummer und bot Hilfe bei der Suche an, die er ablehnte.
Die Tatwaffe wurde bisher nicht gefunden. Die Anklage wirft der 30-Jährigen vor, Fabian aus Eifersucht getötet zu haben, weil er der Beziehung im Wege stand. Der Prozess wird am 13. Mai fortgesetzt, wichtige Zeugen sind für Mitte Juni geladen. Ein Urteil wird für Anfang Juli erwartet.



