Gerichtsprozess in Oslo enthüllt verstörende Details im Fall Marius Borg Høiby
Im Amtsgericht von Oslo herrscht eine angespannte Atmosphäre, während der sechste Verhandlungstag gegen Marius Borg Høiby (29) stattfindet. Der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit (52) wirkt müde und nervös im Zeugenstand, gekleidet in weiße Sneaker, dunkelblaue Jeans und einen grauen Schlupfpullover. Am linken Handgelenk trägt er noch immer einen Verband, sein rechter Fuß wippt ununterbrochen, und sein Kiefer arbeitet pausenlos, als kaue er Kaugummi.
Die brisante Nacht auf den Lofoten
Im Zentrum des Prozesses steht die Nacht auf den Lofoten, wo Høiby mit seinem Stiefvater Kronprinz Haakon (52) zum Surfen war. Laut Anklage soll es dort zu mutmaßlichen Vergewaltigungen gekommen sein, wobei Høiby betont, der Sex sei einvernehmlich gewesen. Seine Erinnerungen beschreibt er als verschwommen, da er unter Medikamenteneinfluss steht und ein bekanntes Drogenproblem hat. Im Gerichtssaal sitzen drei der vier mutmaßlich Geschädigten, darunter seine Ex-Freundin, die ihn wegen Körperverletzung angezeigt hat.
SMS-Beweise und Smartwatch-Daten
Besonders belastend sind die verlesenen SMS-Nachrichten, die Høiby zwischen 2.33 Uhr und 2.56 Uhr an seine damalige Freundin sandte – während er sich gleichzeitig bei einer anderen Frau aufhielt. In den Nachrichten schrieb er: „Habe mich schlafen gelegt“ und „Habe dich sehr lieb, mein Schatz“. Parallel dazu wurden Daten einer Garmin-Smartwatch ausgewertet, die Herzfrequenz und Schlafphasen der Frau aufzeichneten. Um 4.57 Uhr soll ein Video ohne ihr Wissen entstanden sein, kurz darauf stieg ihr Puls an, was Ermittler als Übergang vom Schlaf zum Wachzustand interpretieren.
Die Rolle der Kronprinzessin und öffentliche Reaktionen
Die Verbindung zur norwegischen Königsfamilie verleiht dem Fall eine zusätzliche Dimension. Marius Borg Høiby, der sich in der Vergangenheit gerne als harter Kerl mit Luxusgütern wie Dom Pérignon und Rolex präsentierte, steht nun unter dem Druck von 38 Anklagepunkten, darunter vier wegen mutmaßlicher Vergewaltigung. Die Öffentlichkeit zeigt weniger Andrang als in der ersten Prozesswoche, doch die Spannung im Saal bleibt greifbar, insbesondere wenn die Blicke der Beteiligten sich kühl und abweisend treffen.
Während der Verhandlung kritzelt Høiby nervös auf einem DIN-A4-Spiralblock, ein riesiges Spinnennetz aus Linien entsteht, das symbolisch für die verworrenen Fäden des Falls steht. Mit jedem Prozesstag verdichten sich die Beweise, und die Frage nach der Glaubwürdigkeit des Angeklagten wird immer drängender. Der Prozess wird voraussichtlich noch mehrere Tage andauern, während die Welt auf das Urteil wartet.



