Magdeburg-Attentäter lehnt Gutachten vehement ab und zieht Vergleich zu Trump
Im 19. Verhandlungstag des Prozesses um den tödlichen Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt hat der angeklagte Taleb al-Abdulmohsen (51) mit einem Notizblock voller Fragen für Aufsehen gesorgt. Der ausgebildete Psychiater reagierte wütend auf ein forensisches Gutachten, das ihm eine „narzisstische Persönlichkeitsstörung“ bescheinigt. Von der Anklagebank aus forderte er: „Ich bitte darum, dass niemand das Gutachten ernst nimmt.“
Vergleich mit Obama und Trump als Verteidigungsstrategie
Während der Gutachter Dr. Bernd Langer seine Einschätzung vor Gericht vortrug, eskalierte die Situation mehrfach. Der Angeklagte unterbrach so lange, bis ihm der Richter das Mikrofon abdrehte. Zuletzt hielt sich Taleb al-Abdulmohsen im Glaskasten demonstrativ die Ohren zu. In seiner emotionalen Reaktion argumentierte er: „Es gibt viele Leute wie Obama und Trump, die narzisstische Anteile haben. Aber ich habe keine Persönlichkeitsstörung.“ Auch die Diagnose, er sei empathielos, wies er entschieden zurück.
Der Gutachter Dr. Bernd Langer ließ sich von den endlosen Fragen des Angeklagten nicht aus der Ruhe bringen. Über Stunden zog sich das Frage-Antwort-Spiel hin, wobei der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg den Angeklagten mehrfach ermahnte, sachlich zu bleiben und Erklärungen zu unterlassen: „Das ist hier keine Diskussionsveranstaltung.“
Angeklagter beharrt auf seiner Professionalität als Psychiater
Taleb al-Abdulmohsen betonte wiederholt, dass er selbst als Psychiater in Sachsen-Anhalt tätig gewesen sei. Er behauptete: „Als ich das schriftliche Gutachten in meinem Haftraum gelesen habe, musste ich laut lachen.“ Das Gutachten lehnte er rundweg ab und warf dem Gutachter Parteilichkeit vor: „Es enthält Fehler und falsche Schlussfolgerungen. Der Gutachter ist parteiisch.“
Nach vierstündiger Fragerunde konfrontierte Richter Sternberg den Angeklagten mit der direkten Frage: „Sehen Sie sich selbst als psychisch krank, ja oder nein?“ Der 51-jährige Attentäter wich aus: „Ich möchte keine Antwort geben.“
Hintergrund: Der verheerende Anschlag von Magdeburg
Laut Anklage hatte Taleb al-Abdulmohsen am 20. Dezember 2024 einen mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Wagen etwa 350 Meter weit über den Weihnachtsmarkt gelenkt. Mit bis zu 48 Kilometern pro Stunde raste er durch die Menschenmenge. Sechs Menschen verloren ihr Leben: fünf Frauen und ein neunjähriger Junge. Mehr als 300 Personen wurden verletzt.
Richter planen Verfahrensverschlankung
Die Richter arbeiten daran, das umfangreiche XXL-Verfahren zu straffen. Nach einer Vorberatung erklärte Vorsitzender Richter Dirk Sternberg: „Wir möchten versuchen, das Verfahren zu verschlanken.“ Der Prozess soll auf die Kernvorwürfe von Mord, versuchtem Mord und gefährlicher Körperverletzung beschränkt werden. Ziel sei ein rechtssicheres Urteil in absehbarer Zeit, damit Betroffene einen Schlussstrich ziehen können. Der nächste Verhandlungstag ist für den 25. Februar angesetzt.



