Lebenslange Haft für Ludwigsburger Raser-Brüder: Angehörige sprechen von Albtraum
Im Stuttgarter Landgericht brandete Applaus auf, als der Richter das entscheidende Wort verkündete: „Lebenslang“. Dieses Wort erwarteten die Angehörigen seit Monaten im Mordprozess um den Tod ihrer beiden Töchter und Schwestern. Die beiden Raser, die den fatalen Unfall in Ludwigsburg verursachten, müssen nun lange in Haft – doch die Trauer der Hinterbliebenen bleibt unverändert.
Vollgas in Tempo-50-Zone mit tödlichen Folgen
Nach Überzeugung des Gerichts verabredeten sich der Mann, sein Bruder und ein gemeinsamer Cousin im März des vergangenen Jahres zu einem illegalen Autorennen. In einer Tempo-50-Zone gaben sie mit PS-starken Limousinen Vollgas, bremsten wiederholt ab, feuerten sich gegenseitig an und gaben Startzeichen. Der jüngere Bruder rammte schließlich mit etwa 130 Stundenkilometern das Auto der 22 und 23 Jahre alten Frauen, die gerade eine Tankstelle verließen.
Der Richter sprach von falsch verstandener Großmannssucht mit tödlichem Ausgang und bezeichnete die Tat als hoch verwerflich. „Ein solches Rennen bewegt sich auf sittlich niedrigster Stufe“, urteilte er. Die Brüder hätten sich über das Lebensrecht anderer Menschen hinweggesetzt und bei ihrem Rennen „ein Zufallsopfer gebilligt“.
Harte Urteile und getrennte Angehörige
Neben dem lebenslangen Hafturteil für den Unfallverursacher verurteilte die Kammer auch den Bruder, der den zweiten Wagen fuhr, wegen versuchten Mordes zu 13 Jahren Gefängnis. Der Cousin erhielt eine Bewährungsstrafe, da er im zweiten Auto saß. Nach der Urteilsverkündung mussten die Angehörigen der Opfer von den Verwandten und Freunden der Angeklagten getrennt werden.
Die Familienmitglieder hatten in großer Zahl jeden Prozesstag besucht. Ihr Anwalt betonte: „Das Urteil zeigt, dass der Rechtsstaat Menschenleben schützt und bei gravierenden Verstößen konsequent ahndet.“ Er fügte hinzu: „Das war ein Akt hemmungsloser Rücksichtslosigkeit mit tödlichen Folgen.“ Die harte Bestrafung entspreche den Wünschen der Familie, die ein klares Signal gegen Raserei fordere.
Juristische Herausforderungen und politische Forderungen
Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2017 sind illegale Autorennen ausdrücklich strafbar. Bei Todesopfern drohen mehrjährige Haftstrafen oder in besonders schweren Fällen Mordverurteilungen. Voraussetzung ist, dass ein Fahrer den Tod anderer billigend in Kauf nimmt. Gerichte haben in der Vergangenheit unterschiedlich entschieden – von fahrlässiger Tötung bis zu Mordurteilen.
Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) kritisiert, dass der Strafkatalog für notorische Temposünder nicht ausreiche. Er fordert, dass besonders unbelehrbare Raser ihre Führerscheine auf Lebenszeit verlieren könnten. Trotz härterer Strafen und Gerichtsurteile rasen weiterhin zahlreiche Menschen um die Wette – auch an der Ludwigsburger Unfallstelle, wo erst am Tag des Urteils ein Blitzer installiert wurde.
Die Verteidiger der verurteilten Brüder kündigten an, gegen das Urteil in Revision zu gehen. Für die Angehörigen bleibt der Verlust ihrer Töchter und Schwestern ein dauerhafter Albtraum, auch wenn das Gerichtsurteil eine gewisse Genugtuung bietet.



