Indizienprozess in Köln: Ingenieur soll Ehefrau in Badewanne ertränkt haben
Vor dem Kölner Landgericht hat ein außergewöhnlicher Indizienprozess begonnen, in dem sich ein 63-jähriger Ingenieur wegen Mordes an seiner Ehefrau verantworten muss. Gottfried S. bestreitet alle Vorwürfe vehement und behauptet, seine Frau habe sich das Leben genommen.
Staatsanwaltschaft wirft heimtückischen Mord vor
Die Staatsanwaltschaft Köln wirft dem Angeklagten vor, seine 58-jährige Ehefrau Martina S. am 28. Dezember 2021 ermordet zu haben. Nach der Anklage soll der Ingenieur seiner Frau morgens einen Kaffee gereicht haben, in dem er zuvor zehn Schlaftabletten aufgelöst hatte. Als die Frau eingeschlafen sei, soll der Ehemann sie laut Anklage in die gefüllte Badewanne gelegt, unter Wasser gedrückt und damit getötet haben.
Erst als bei der Frau die Totenstarre eingetreten sei, habe der Angeklagte um 9.37 Uhr die Rettungskräfte alarmiert, die aber nichts mehr für die Ehefrau tun konnten. Die Staatsanwaltschaft begründet den mutmaßlichen Mord mit jahrelangen Ehestreitigkeiten zwischen dem Paar, das 40 Jahre lang zusammen gewesen war.
Verletzungen am Körper der Frau als Indiz
Für die Mordtheorie der Staatsanwaltschaft sprechen laut Anklage auch die Verletzungen am Körper der Frau. Diese seien dadurch entstanden, dass ihr Ehemann sie unter Wasser gedrückt habe. Die Behörde geht von einem heimtückischen Mord aus und hat entsprechende Anklage erhoben.
Verteidigung bestreitet alle Vorwürfe
Gottfried S. bestreitet die Vorwürfe in allen Punkten. In seiner Einlassung vor Gericht schilderte der Ingenieur eine völlig andere Version der Ereignisse: „Als ich morgens aufwachte und in unser Badezimmer auf der ersten Etage ging, lag sie bereits in der Badewanne. Ich habe sie dann herausgezogen und versuchte sie zu retten.“
Sein Verteidiger Andreas Bonnen ergänzte gegenüber Medien: „Die Verletzungen am Körper der Frau entstanden dadurch, dass mein Mandant sie aus der Badewanne zog und versuchte, sie zu reanimieren.“ Der Anwalt verwies zudem auf ein Gutachten, wonach die Frau den Geschmack der Schlaftabletten im Kaffee hätte bemerken müssen.
Hintergrund: Selbstmordversuche und Eheprobleme
Die Verteidigung argumentiert, dass die Ehefrau seit Jahren unter Schmerzen gelitten habe und in der Vergangenheit bereits mehrere Selbstmordversuche unternommen haben soll. Diese Darstellung steht im Widerspruch zur Theorie der Staatsanwaltschaft, die von einem Mord aus Ehestreitigkeiten ausgeht.
Das Gericht unter dem Vorsitzenden Richter Peter Koerfer muss nun bis Juli klären, welche Version der Wahrheit entspricht. Da es sich um einen Indizienprozess handelt, gibt es keine direkten Zeugen des mutmaßlichen Mordes. Die Beweisführung stützt sich ausschließlich auf medizinische Gutachten, forensische Untersuchungen und die Aussagen des Angeklagten.
Komplexe Beweislage vor Gericht
Der Prozess wirft zahlreiche Fragen auf, die das Gericht klären muss:
- Konnte die Frau die Schlaftabletten im Kaffee wirklich nicht schmecken?
- Entstanden die Verletzungen durch einen Mord oder durch Rettungsversuche?
- Spricht die lange Ehedauer für oder gegen ein Mordmotiv?
- Wie sind die früheren Selbstmordversuche der Frau zu bewerten?
Die Verteidigung ist überzeugt von der Unschuld ihres Mandanten und fordert einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft hingegen hält an ihrer Mordtheorie fest und verweist auf die Indizienkette, die ihrer Ansicht nach auf eine Tötung hindeutet.
Das Urteil des Kölner Landgerichts wird mit Spannung erwartet, da es sich um einen der ungewöhnlichsten Mordprozesse der letzten Jahre handelt, bei dem zwei völlig konträre Darstellungen aufeinandertreffen.



