Deutsche Justiz verfolgt Netzwerk: Betäubung und Vergewaltigung nach französischem Vorbild
Justiz gegen Netzwerk: Betäubung und Vergewaltigung von Frauen

Parallelen zum Fall Pelicot: Netzwerk von Tätern in Deutschland vor Gericht

In Frankreich wird der Begriff "Soumission chimique" verwendet, was so viel wie chemische Unterwerfung bedeutet. Dies beschreibt die Betäubung von Personen durch Medikamente, oft mit dem Ziel sexueller Übergriffe. Der Fall der Französin Gisèle Pelicot, die jahrelang von ihrem Ehemann und weiteren Männern betäubt und vergewaltigt wurde, erregte weltweit Aufsehen. Nun zeigt sich, dass ähnliche Verbrechen auch in Deutschland stattgefunden haben.

Ermittlungen gegen chinesische Männer in mehreren Bundesländern

Die deutsche Justiz ermittelt aktuell gegen ein Netzwerk von überwiegend chinesischen Männern, die Frauen auf vergleichbare Weise misshandelt haben sollen. Am Landgericht München I wird heute das Urteil gegen einen 27-jährigen chinesischen Studenten erwartet. Dieser hat vor Gericht gestanden, seine Freundin mit Narkosemitteln betäubt, vergewaltigt und die Taten gefilmt zu haben.

Der Angeklagte betonte, er sei kein Frauenhasser, sondern habe seine Partnerin geliebt, jedoch tief verletzt. Über Monate hinweg soll er sie immer wieder missbraucht haben. Auf Videos ist laut Ermittlern zu sehen, wie er der Frau zusätzliche Medikamente verabreicht oder betäubte Tücher ins Gesicht drückt, um sicherzustellen, dass sie während der Vergewaltigungen nicht aufwacht. Diese Aufnahmen nutzte er regelmäßig für seine sexuelle Befriedigung.

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Höchststrafe gefordert und weitere Prozesse

Die Staatsanwaltschaft München fordert die Höchststrafe: lebenslange Haft mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld sowie Sicherungsverwahrung wegen versuchten Mordes und Vergewaltigung. Bei dieser Feststellung wäre eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren praktisch ausgeschlossen. Laut Anklage war es reiner Zufall, dass die 1997 geborene Frau bei den Taten nicht starb.

Der Student gab an, sich in mehreren Chatgruppen, darunter eine mit über 1.000 Mitgliedern, über Betäubungsmöglichkeiten informiert zu haben. Besonders aktiv war der Austausch in einer kleineren Telegram-Gruppe. Weil diese Gruppe aufflog, laufen in Deutschland weitere Ermittlungsverfahren.

Am Landgericht Berlin begann am 19. März der Prozess gegen einen Mann, mit dem der Münchner Angeklagte sich online über die Verbrechen ausgetauscht haben soll. Über zwei Jahre hinweg soll er eine Frau im Schlaf sexuell missbraucht haben, teilweise gemeinsam mit anderen Tätern. Die Taten ereigneten sich zwischen 2019 und 2021 in Peking. Von Berlin aus soll der studierte Mediziner Ratschläge zur Betäubung von Personen für sexuelle Übergriffe gegeben haben, ebenfalls über den Telegram-Chat.

Weitere Verurteilungen und Ermittlungsbeginn in Hessen

Dasselbe Berliner Gericht verurteilte im vergangenen Jahr einen weiteren chinesischen Angeklagten, Mitte 20, zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten. Die Opfer erfuhren laut Gericht erst durch polizeiliche Befragung von den Taten. Der Angeklagte prahlte online damit, insgesamt 18 Frauen vergewaltigt zu haben, zeigte jedoch im Prozess Reue.

Die Ermittlungen begannen in Hessen: Das Landgericht Frankfurt am Main verurteilte einen Mann zu 14 Jahren Haft wegen besonders schwerer Vergewaltigung und versuchten Mordes, mit Anordnung von Sicherungsverwahrung. Dieser Fall brachte die übrigen Ermittlungen ins Rollen. Die Ermittlungsgruppe "EG Inserat" des hessischen Landeskriminalamtes informierte Kollegen in Berlin und Bayern über weitere Verdächtige und die Chatgruppen.

Laut Urteil des Berliner Landgerichts kommunizierten die Teilnehmer dieser Chatgruppen über selbst begangene Vergewaltigungen, Anleitungen zur Betäubung von Opfern, Beschaffung von Betäubungsmedikamenten und Erfahrungen bei Sexualdelikten an sedierten Frauen. Zur Illustration wurden teilweise Bildaufnahmen weiblicher Verletzter versendet.

Frauen als "Autos" oder "tote Schweine" bezeichnet

Das bevorstehende Urteil in München wäre das dritte in diesem Ermittlungskomplex. Der Student sagte in seinem Geständnis, einige Personen in den Chats fänden die K.o.-Tropfen-Methode nicht gut und nutzten nur Medikamente. Diese würden sie auch bei Ehefrauen und Freundinnen einsetzen, angeblich nur zur Befriedigung ihrer Fantasien, ohne die Frauen zu schädigen. Er wusste von einem Fall in Shenzhen, bei dem ein Opfer starb.

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Laut Staatsanwaltschaft nannte der Angeklagte Frauen in diesen Chats "Autos" oder "tote Schweine", was die entmenschlichende Haltung der Täter unterstreicht. Diese Fälle zeigen die erschreckenden Parallelen zum international bekannten Fall Pelicot und die Notwendigkeit strenger justizieller Verfolgung solcher Netzwerke.