Prozess gegen Ex-Rocker-Boss in Schweden: Ehefrau an 120 Männer zum Sex verkauft
Vor dem Bezirksgericht Angermanland in Härnösand hat der aufsehenerregende Prozess gegen einen ehemaligen Boss der Hells Angels begonnen. Der 62-jährige Angeklagte steht wegen schwerer Zuhälterei, Vergewaltigung und Körperverletzung vor Gericht. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren.
Jahrelanges Martyrium der Ehefrau
Laut Anklageschrift soll der Ex-Rocker seine Ehefrau über einen Zeitraum von mehreren Jahren zum Sex mit Fremden gezwungen haben. Insgesamt etwa 120 Männer sollen die Frau innerhalb von drei Jahren vergewaltigt haben – gegen Geldzahlungen. Der Mann soll seine Frau im Internet angeboten, die finanziellen Transaktionen abgewickelt und die Treffen überwacht haben.
Die Staatsanwaltschaft beschreibt das Opfer als schutzbedürftig und betont, dass die Frau zwar teilweise zugestimmt habe, sexuelle Dienstleistungen zu verkaufen, jedoch nicht mit allen Personen und nicht unter allen Umständen. „Sie hatte bestimmte Grenzen. Es gab Situationen, in denen er diese Grenzen nicht respektierte und sie überrollte, nachdem sie nein gesagt hatte“, erklärte Staatsanwältin Ida Annerstedt.
„Das Monster“ drohte mit brutaler Gewalt
Der Angeklagte soll seine Frau mit extremen Gewaltandrohungen unter Druck gesetzt haben. Medienberichten zufolge drohte er ihr, sie zu töten, mit Benzin zu übergießen, zu verbrennen und ihr die Finger abzuschneiden. In Rocker-Kreisen bezeichnete sich der Mann selbst als „das Monster“ und nutzte die Drogenabhängigkeit seiner Frau aus, um sie zu kontrollieren.
Die Straftaten sollen sich zwischen dem 11. August 2022 und dem 21. Oktober 2025 ereignet haben. Der Mann wurde Ende Oktober 2025 festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Er bestreitet die Vorwürfe und gibt lediglich zu, in technischen und administrativen Fragen ausgeholfen zu haben.
Weitere Angeklagte und Parallelen zu anderen Fällen
In dem Fall wurden insgesamt 120 Männer identifiziert, die im Verdacht stehen, sexuelle Dienstleistungen gekauft zu haben. Davon wurden 26 ebenfalls angeklagt. Der Prozess erinnert an ähnliche Fälle wie das Martyrium der Französin Gisèle Pelicot, deren Ehemann sie betäubte, damit andere Männer sie vergewaltigen konnten.
Der Prozess gegen den Ex-Rocker-Boss wird fortgesetzt und könnte als Präzedenzfall für die Aufarbeitung von Gewaltverbrechen in kriminellen Milieus dienen. Die schwedische Justiz zeigt mit diesem Verfahren Entschlossenheit im Kampf gegen organisierte Ausbeutung und sexualisierte Gewalt.



