Schwere Vorwürfe: Anklage gegen Mann aus Bayern wegen internationalem Kindesmissbrauch
Die Zentralstelle Cybercrime Bayern hat einen 53-jährigen Mann aus Mittelfranken wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs angeklagt. Die Ermittler werfen dem Beschuldigten vor, ein Mädchen auf den Philippinen über einen Zeitraum von drei Jahren systematisch missbraucht zu haben – und dies über einen Livestream organisiert zu haben.
Drei Jahre systematischer Missbrauch per Internet
Laut den Ermittlungen dauerte der Missbrauch von 2019 bis 2022 an. Das Opfer war in diesem Zeitraum zwischen acht und elf Jahre alt. Der Angeklagte aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt soll die Mutter des Mädchens über einen Messenger-Dienst kontaktiert und für geringe Geldbeträge dazu gebracht haben, ihre Tochter beim Missbrauch zu filmen.
Insgesamt 74 Missbrauchsfälle werden dem Mann zur Last gelegt. In den meisten Fällen erhielt er Videos und Fotos nachträglich zugesandt. Zweimal schaute er dem Geschehen sogar live über das Internet zu. Die Behörden bezeichnen diese Praxis als „Live-Streaming“ – ein internationales Kriminalitätsphänomen, bei dem Täter aus westlichen Ländern für den live übertragenen Missbrauch von Kindern in ärmeren Regionen zahlen.
Reise auf die Philippinen und internationale Verstrickungen
Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass der Beschuldigte einmal persönlich auf die Philippinen reiste und das Mädchen dort selbst missbraucht haben soll. Zudem soll er in zwei weiteren Fällen Missbrauchsaufnahmen an einen Briten und einen US-Amerikaner geschickt haben – verbunden mit dem Hinweis, er könne ein Treffen auf den Philippinen arrangieren.
Die Ermittlungen wurden durch eine Hilfsorganisation auf den Philippinen angestoßen, die australische Behörden alarmierte. Im Dezember 2024 leitete das Bundeskriminalamt (BKA) die Hinweise an die Kriminalpolizei Erlangen weiter. Bereits im Mai 2025 konnte der 53-Jährige festgenommen werden, nachdem Ermittler in seiner Wohnung Handys mit umfangreichen Missbrauchsaufnahmen sichergestellt hatten.
U-Haft und laufende Ermittlungen
Seit seiner Festnahme befindet sich der Beschuldigte in Untersuchungshaft. Das Landgericht Nürnberg-Fürth muss nun darüber entscheiden, ob es zur Hauptverhandlung kommt. Die Behörden prüfen derzeit, ob es weitere Opfer gibt. Parallel laufen auch auf den Philippinen Ermittlungen zu dem Fall.
Die Zentralstelle Cybercrime Bayern betont die internationale Dimension dieser Straftaten und warnt vor den Gefahren des sogenannten „Live-Streaming“-Missbrauchs, bei dem die räumliche Distanz zwischen Tätern in wohlhabenden Ländern und Opfern in Entwicklungsländern ausgenutzt wird.



