Studie enthüllt: Fast zwei Drittel der Jugendlichen erlebten sexualisierte Gewalt
Fast zwei Drittel der Jugendlichen erlebten sexualisierte Gewalt

Alarmierende Zahlen: Sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen weit verbreitet

Eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) offenbart erschreckende Dimensionen sexualisierter Gewalt unter jungen Menschen in Deutschland. Die repräsentative Umfrage unter mehr als 5800 Personen im Alter von 14 bis 25 Jahren zeigt, dass dieses Problem alles andere als ein Randphänomen darstellt.

Digitale und verbale Übergriffe betreffen die Mehrheit

Laut den Ergebnissen haben 64 Prozent der Befragten mindestens eine Form sexualisierter Gewalt ohne Körperkontakt erlebt. Dazu zählen sexualisierte Beleidigungen, das unerwünschte Zusenden von Nacktbildern oder expliziten Videos sowie das gezielte Anbahnen sexueller Kontakte mit Minderjährigen im Internet, bekannt als Cybergrooming.

Interessant ist die Verteilung nach Altersgruppen: Bei jungen Erwachsenen ab 18 Jahren liegt der Anteil mit 68 Prozent deutlich höher als bei den 14- bis 17-Jährigen mit 54 Prozent. Besonders betroffen sind Personen mit homosexueller oder bisexueller Orientierung – hier berichten 90 Prozent von entsprechenden Erfahrungen, während es bei Heterosexuellen 61 Prozent sind.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Geschlechterunterschiede bei den Gewaltformen

Männliche und weibliche Jugendliche sind insgesamt in etwa gleich häufig von sexualisierter Gewalt ohne Körperkontakt betroffen, allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede bei den konkreten Erfahrungen. Unter den jungen Männern gaben 49 Prozent an, dass gegenüber ihnen schon einmal »schwul« als Beleidigung verwendet wurde. Bei jungen Frauen berichteten 37 Prozent von online erlebter sexueller Belästigung, während 36 Prozent sexuelle Kommentare oder Beleidigungen im realen Leben erfuhren.

Körperliche Übergriffe betreffen fast ein Drittel

Noch gravierender sind die Zahlen zu sexualisierter Gewalt mit Körperkontakt: 29 Prozent der Befragten gaben an, mindestens einmal erzwungene körperliche Berührungen oder sexuelle Handlungen erlebt zu haben. Hier zeigen sich deutliche Geschlechterunterschiede – junge Frauen sind davon doppelt so häufig betroffen wie junge Männer. Auch bei dieser Form der Gewalt sind homosexuelle und bisexuelle Jugendliche besonders vulnerabel (57 Prozent gegenüber 26 Prozent bei Heterosexuellen).

Täter sind häufig Gleichaltrige

Die Auswertung der zehnten Analyse zur Jugendsexualität zeigt ein bedrückendes Muster: Jugendliche erfahren sexualisierte Gewalt häufig durch Gleichaltrige. Oft sind andere Jugendliche bei den Übergriffen anwesend oder haben davon Kenntnis. Nach der ersten Erfahrung körperlicher Gewalt vertrauten sich die meisten Betroffenen einer Vertrauensperson an – 51 Prozent wandten sich an Freundinnen oder Freunde, 33 Prozent an ihre Eltern.

Mechthild Paul, stellvertretende Leiterin des BIÖG, betont: »Unsere Jugendsexualitätsstudie zeigt sehr klar: Viele junge Menschen erleben sexualisierte Gewalt unter Gleichaltrigen, online genauso wie offline. Deshalb ist es wichtig, dass sie lernen, Übergriffe zu erkennen und klar zu benennen. Gleichzeitig müssen wir sie darin bestärken, in riskanten Situationen sich und andere zu schützen sowie Betroffenen zur Seite zu stehen.«

Gesellschaftliche Debatte gewinnt an Fahrt

Die Studie erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem das Thema digitale sexualisierte Gewalt bereits eine bundesweite Diskussion entfacht hat. Der Fall Collien Fernandes und die darauf folgenden Demonstrationen in zahlreichen Städten mit Zehntausenden Teilnehmern zeigen, dass die Forderung nach entschiedenen Maßnahmen und besserem Schutz für junge Menschen immer lauter wird. Die aktuellen Daten unterstreichen die Dringlichkeit dieser Debatte und machen deutlich, dass sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen ein strukturelles Problem darstellt, das dringend angegangen werden muss.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration