Auswanderungswelle: Stephanie Tanner fand auf Malta die Freiheit, die viele junge Deutsche suchen
Die aktuelle Studie „Jugend in Deutschland 2026“ offenbart eine tiefgreifende Unzufriedenheit unter jungen Menschen. Ganze 41 Prozent der 14- bis 29-Jährigen denken über eine Auswanderung nach, ein Fünftel hat bereits konkrete Pläne entwickelt. Stephanie Tanner, 33 Jahre alt, hat diesen Schritt bereits vollzogen und lebt seit sechs Monaten mit ihrem Partner und Hund auf Malta.
Von Weil am Rhein ins Mittelmeer: Ein unkonventioneller Lebensweg
Stephanie Tanner wuchs in Weil am Rhein auf und schloss keine klassische Lehre ab. Stattdessen arbeitete sie in verschiedenen Bereichen – von der Produktion über Servicekräfte-Tätigkeiten bis hin zur Logistik. Heute betreut sie in der Rechnungsabteilung einer deutschen Kreditbank auf Malta deutsche Kunden. „Hier erfahre ich, was Wertschätzung wirklich bedeutet“, betont die 33-Jährige.
Ihr Weg führte sie in den vergangenen zehn Jahren durch vier Länder:
- Mallorca
- Griechenland
- Schweiz
- Malta
In der Schweiz lernte sie ihren Partner kennen, mit dem sie im September 2025 nach Malta zog. „In den meisten dieser Länder arbeitete ich im Kundendienst. In der Schweiz war ich hingegen als Servicekraft in einem gehobenen Restaurant tätig“, berichtet sie.
Die Sehnsucht nach mehr Freiheit und Flexibilität
Stephanie Tanner kann die Auswanderungsgedanken vieler junger Deutscher gut nachvollziehen. „Ich glaube, sie sehnen sich nach mehr Freiheit. Sie möchten einfach weniger Druck, flexiblere Strukturen und mehr Selbstbestimmung“, erklärt sie. Neben diesen Faktoren spielen auch Kosten, Wetter und Lebensqualität eine entscheidende Rolle.
Ihr Rat an alle, die mit dem Gedanken spielen: „Gehe nicht unüberlegt weg – aber gehe, wenn du spürst, dass du es willst. Du musst nicht alles im Voraus perfekt planen. Vieles wird sich auf dem Weg ergeben.“
Herausforderungen und persönliches Wachstum
Die Entscheidung, Deutschland zu verlassen, hat Stephanie Tanner nie bereut, obwohl es schwierige Momente gab. „Ja, es gab schwierige Momente, aber genau diese Herausforderungen haben mich wachsen lassen“, reflektiert sie. Ihre Familie hatte anfangs gemischte Gefühle, akzeptiert aber inzwischen ihren Weg.
Trotz ihres „freieren Lebensgefühls“ scheut sie harte Arbeit nicht. Neben ihrer Tätigkeit im Bankwesen baut sie aktiv ein eigenes Business im Strom- und Gasvertrieb für Deutschland und Österreich auf. „Sobald ich davon meinen Lebensunterhalt bestreiten kann, mache ich das zu meinem Hauptjob“, erklärt sie entschlossen.
Praktische Tipps für Auswanderungswillige
Für diejenigen, die tatsächlich den Schritt ins Ausland wagen wollen, hat Stephanie Tanner einen wertvollen Tipp: „Im Internet finden sich Stellenangebote für den Kundendienst im deutschsprachigen Raum. Viele dieser Unternehmen übernehmen die Umzugs- und Reisekosten und schnüren dafür ein Umzugspaket. Einige Firmen stellen ihren Mitarbeitern sogar eine kostenlose Unterkunft bereit.“
Sie warnt jedoch vor verzerrten Darstellungen in sozialen Medien: „Junge Leute sollten Posts auf Social Media kritisch hinterfragen. Viele Influencer zeigen vor allem die schönen Seiten ihres Alltags, während sie die Herausforderungen häufig in den Hintergrund drängen.“
Rückkehr nicht ausgeschlossen – aber unter anderen Bedingungen
Stephanie Tanner schließt eine Rückkehr nach Deutschland nicht aus, stellt aber klare Bedingungen: „Ich würde nach Deutschland zurückkehren, wenn es sich mehr wie Leben anfühlt und weniger wie ein starr geregeltes System.“ Für sie spielen dabei weniger Druck, mehr Flexibilität im Arbeitsalltag und ein stärkerer Fokus auf Lebensqualität eine entscheidende Rolle.
Ihre Geschichte zeigt, dass Auswanderung nicht immer eine endgültige Entscheidung sein muss, sondern Teil einer persönlichen Entwicklung sein kann, die neue Perspektiven eröffnet und den eigenen Lebensstil grundlegend verändern kann.



