Vom Klassenzimmer in den Burggarten: Eine Lehrerin startet neu durch
Wenn man an den Bundesfreiwilligendienst denkt, kommen vielen zunächst junge Menschen in den Sinn. Doch Jutta Gottwald-Pfeiffer beweist, dass dieser Dienst keine Altersgrenzen kennt. Mit 54 Jahren hat die ehemalige Vertretungslehrerin im Oktober ihr Bundesfreiwilligenjahr im BUND-Besucherzentrum Burg Lenzen begonnen und eine völlig neue berufliche Richtung eingeschlagen.
Von der Holzbildhauerin zur Pädagogin und zurück zur Natur
Ihr beruflicher Weg war schon immer vielseitig: Nach einer Ausbildung zur Holzbildhauerin und einem begonnenen Kunsttherapie-Studium entschied sich Gottwald-Pfeiffer mit 47 Jahren noch einmal für ein Studium auf Grundschullehramt, das sie mit dem Bachelor abschloss. Doch die Arbeit als Vertretungslehrerin in Achim bei Bremen erwies sich als zunehmend anstrengend. „Es gab große Probleme mit einzelnen Schülern und deren Eltern – ein Phänomen, das immer mehr Lehrkräfte betrifft“, berichtet die 54-Jährige. Als ihr Vertrag auslief, sah sie im Bundesfreiwilligendienst eine Chance für einen Neuanfang.
Die Liebe zur Prignitz-Landschaft weckt neue Berufsträume
Entscheidend für ihre Wahl war eine wachsende Verbundenheit mit der Region. Bei Radtouren entlang der Elbe und durch die Prignitz verliebte sich das Paar in die einzigartige Landschaft. „Besonders die Elblandschaft, die Löcknitz, das Rambower Moor und der Rudower See haben uns fasziniert“, erinnert sich Gottwald-Pfeiffer. Während dieser Touren reifte in ihr der Wunsch, im Naturschutz zu arbeiten – eine Idee, die ihr Mann Sebastian voll unterstützt.
Vielseitige Aufgaben als „Bufdi“ auf historischem Gelände
Auf der Burg Lenzen, wo sie unter der Leitung von Bettina Kühnast im Besucherzentrum arbeitet, erwartet die Bundesfreiwilligendienstleistende – umgangssprachlich „Bufdi“ genannt – ein abwechslungsreicher Arbeitsalltag:
- Pflege der Beete und Parkanlagen auf dem Burgareal
- Vorbereitung der Kanustation für die neue Saison
- Vertretungsweise Übernahme der Schul-AG auf der Burg
- Unterstützung in verschiedenen anderen Bereichen des Zentrums
Der Burggarten bietet aus ihrer Sicht viel Potenzial, das jedoch besser genutzt werden könnte. „Mit meiner Arbeit möchte ich einzelne Bereiche wieder freilegen und eine gewisse Grundordnung schaffen“, erklärt sie. Dazu gehören das Zurückschneiden von Weinranken und Rosen sowie das Entfernen von Wildpflanzen an unpassenden Stellen.
Vom Provisorium zur möglichen dauerhaften Heimat
Trotz des geringen Verdienstes als Bundesfreiwillige hat sich Gottwald-Pfeiffer in Lenzen eine kleine Wohnung gemietet, die regelmäßig von ihrem Mann und ihren fünf Töchtern besucht wird. Die Aussicht auf eine dauerhafte Zukunft in der Region scheint realistisch: „Langfristig könnte ich mir vorstellen, über das Bundesfreiwilligenjahr hinaus hier zu bleiben und im BUND-Besucherzentrum als feste Mitarbeiterin weiterzuarbeiten“, verrät sie. „Hier finde ich nicht nur die gärtnerische und vielfältige Arbeit toll, sondern auch das Teamwork im Kollegium. So könnte Lenzen zu meinem Zweitwohnsitz werden.“
Ihre Geschichte zeigt, dass berufliche Neuorientierung in jedem Lebensalter möglich ist und dass der Bundesfreiwilligendienst nicht nur für junge Menschen, sondern auch für erfahrene Berufstätige eine Chance bieten kann, neue Perspektiven zu entwickeln und sich gesellschaftlich zu engagieren.



