Thüringen vor historischem Tief: Prognose sagt weniger als zwei Millionen Einwohner voraus
Der demografische Wandel in Thüringen nimmt immer dramatischere Züge an. Laut einer aktuellen Prognose des Landesamtes für Statistik könnte die Einwohnerzahl im Freistaat schon bald unter die Marke von zwei Millionen Menschen fallen. Bis zum Ende des Jahres 2030 wird diese Schwelle voraussichtlich unterschritten, wie aus den neuesten Berechnungen hervorgeht.
Sterbeüberschuss und niedrige Geburtenzahlen als Hauptursachen
Derzeit leben noch rund 2,1 Millionen Menschen in Thüringen, doch die Zahlen zeigen einen unaufhaltsamen Abwärtstrend. Als Hauptgrund für den Bevölkerungsschwund identifizieren die Statistiker einen deutlichen Sterbeüberschuss. Es sterben deutlich mehr Menschen, als zur Welt kommen. Dieser Effekt wird durch die außerordentlich niedrigen Geburtenzahlen der letzten Jahre noch verstärkt.
Für das Jahr 2026 rechnen die Experten beispielsweise mit lediglich 10.900 Geburten, während gleichzeitig 31.500 Todesfälle erwartet werden. Dieser massive Unterschied beschleunigt den Rückgang der Bevölkerung erheblich.
Ländliche Regionen besonders stark betroffen
Vom Bevölkerungsrückgang sind in den Berechnungen vor allem ländlich geprägte Regionen im Süden und Osten des Landes betroffen. Die Prognosen zeigen hier besonders drastische Verluste:
- Für den Landkreis Saalfeld-Rudolstadt wird bis 2045 ein Rückgang von 22,4 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024 erwartet.
- Im Landkreis Sonneberg sind es 21,5 Prozent.
- Auch die Landkreise Saale-Orla, Greiz, Hildburghausen, Kyffhäuserkreis und Nordhausen sowie die Stadt Suhl liegen über der 20-Prozent-Marke.
Auch Städte schrumpfen unaufhaltsam
Doch der demografische Wandel macht auch vor den urbanen Zentren nicht halt. Jede kreisfreie Stadt und jeder Landkreis wird Bevölkerungsverluste verzeichnen, wenn auch in unterschiedlicher Intensität, wie die Statistiker betonen. Selbst die Landeshauptstadt Erfurt wird nach den Berechnungen bis zum Jahr 2045 um etwa 7,2 Prozent schrumpfen und dann noch rund 203.100 Einwohner haben. Ende 2024 waren es noch 218.800 Einwohner.
Für andere Städte sieht die Prognose ähnlich düster aus:
- Jena: Rückgang um 7,1 Prozent
- Gera: Rückgang um 9,2 Prozent
- Weimar: Rückgang um 6,3 Prozent
Wanderungsgewinne können Defizit nicht ausgleichen
Zwar werden laut der Statistik alle kreisfreien Städte und Landkreise – mit Ausnahme des Saale-Holzland-Kreises – Wanderungsgewinne erzielen können. Doch diese Zuzüge reichen bei weitem nicht aus, um das massive Geburtendefizit zu kompensieren. Die Statistiker weisen darauf hin, dass selbst positive Wanderungssalden den grundlegenden Trend nicht umkehren können.
Bis zum Jahr 2045 könnte die Einwohnerzahl Thüringens auf dann rund 1,8 Millionen Menschen fallen. Das wäre ein Rückgang um 15,1 Prozent oder etwa 317.000 Menschen weniger als heute. Zum Vergleich: Hamburg hat aktuell etwas mehr Einwohner als Thüringen dann haben würde.
Die Zahlen verdeutlichen, dass Thüringen vor einer historischen demografischen Herausforderung steht, die das Gesicht des Landes nachhaltig verändern wird.



