Thüringen startet Familienschulzentren: Elf Schulen stärken Eltern als Bildungspartner
Thüringen: Elf Schulen werden zu Familienschulzentren

Thüringen startet Familienschulzentren: Elf Schulen stärken Eltern als Bildungspartner

Bildungsforscher wissen seit langem, dass Eltern einen enormen Einfluss auf die Karrierewege ihrer Kinder haben. In Thüringen soll dieser Zusammenhang nun gezielt genutzt werden, um auch benachteiligten Kindern bessere Chancen zu eröffnen. Elf staatliche Schulen im Freistaat wollen sich zu sogenannten Familienschulzentren weiterentwickeln, wie eine Sprecherin des Thüringer Bildungsministeriums bestätigte.

Konzept und Umsetzung der neuen Zentren

Bei den beteiligten Einrichtungen handelt es sich um Grundschulen in Nord- und Ostthüringen, darunter mehrere Schulen in Gera und eine in Nordhausen. Ursprünglich waren Ende 2024 noch fünfzehn Schulen als künftige Familienschulzentren angekündigt worden, doch bei vier Einrichtungen stellte sich heraus, dass die notwendigen Kapazitäten für die Umsetzung des Modells fehlen.

Die Arbeit soll mit Beginn des neuen Schuljahres aufgenommen werden, wobei die entsprechenden Angebote an den einzelnen Schulen schrittweise eingeführt werden. Um die Thüringer Schulen bei dieser Weiterentwicklung zu unterstützen, sucht das Land derzeit einen Träger für eine Koordinierungsstelle, dessen Auswahl spätestens zum 1. Juni abgeschlossen sein soll.

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Was sind Familienschulzentren?

Familienschulzentren verstehen die Bildung von Kindern als gemeinsame Aufgabe von Lehrern, Kindern und insbesondere den Eltern. „Familienschulzentren steigern den Bildungserfolg von Schülerinnen und Schülern indirekt über die Eltern: Sie stärken Erziehungskompetenz, vermitteln Bildungsbewusstsein und schaffen Netzwerke zu Schulen und Beratungsstellen“, erläutert die Sprecherin des Bildungsministeriums.

Durch diese Zentren werden Eltern zu aktiven Begleitern der Schullaufbahn ihrer Kinder. Sie sollen beispielsweise angehalten werden, ihren Nachwuchs stärker zu guten schulischen Leistungen zu motivieren oder sich in die Hausaufgabenbetreuung einzubringen. Interessant ist, dass solche Einrichtungen in Thüringen früher noch als Familiengrundschulzentren bezeichnet wurden. Die Umbenennung soll deutlich machen, dass grundsätzlich auch weiterführende Schulen mit diesem Konzept arbeiten können.

Bildungsforschung belegt die Bedeutung des Ansatzes

Die Arbeit der Familienschulzentren baut auf einem Zusammenhang auf, den die Bildungsforschung immer wieder unterstreicht: Der soziale Status von Familien und der Bildungshintergrund der Eltern sind wesentliche Faktoren dafür, welche Schul-, Ausbildungs- oder Hochschulabschlüsse ihre Kinder einmal erlangen werden.

Eine kürzlich vorgestellte Studie des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe hat diesen Zusammenhang erneut bestätigt. Die Forscher arbeiteten dabei heraus, dass vor allem Eltern mit hohem beruflichem Status ihre Kinder schon früh in eine Kindertagesstätte geben. „Kinder aus Familien mit niedrigem Bildungsniveau nehmen vor dem vierten Lebensjahr seltener an frühkindlicher Betreuung teil“, hieß es bei der Vorstellung der Studie.

Genau hier setzen die Familienschulzentren an: Indem sie Eltern in ihrer Erziehungskompetenz stärken und Bildungsbewusstsein vermitteln, sollen sie dazu beitragen, dass auch Kinder aus bildungsferneren Familien bessere Startchancen erhalten. Die Zentren schaffen zudem Netzwerke zu Schulen und Beratungsstellen, die Familien in schulischen Fragen unterstützen können.

Der Thüringer Ansatz zeigt, wie Bildungspolitik gezielt auf wissenschaftliche Erkenntnisse reagieren kann, um Chancengerechtigkeit im Bildungssystem zu fördern. Die elf Pilotschulen werden nun zeigen, wie sich dieses Konzept in der Praxis bewährt und welche positiven Effekte sich für die beteiligten Kinder und Familien ergeben.

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