Ex-Skistar fordert radikale Wende in der Kindererziehung
Der ehemalige Skirennläufer Felix Neureuther hat sich in einem aktuellen Interview deutlich für ein Social-Media-Verbot für Kinder und jüngere Jugendliche ausgesprochen. Der 42-jährige vierfache Vater äußerte sich im Gespräch mit der AZ kritisch zur zunehmenden Digitalisierung im Kindesalter und forderte gleichzeitig mehr Verantwortung für Lehrer im Umgang mit übermächtigen Eltern.
„Die einzige Möglichkeit sind Verbote“
Neureuther positioniert sich klar gegen den frühen Umgang mit digitalen Medien: „Wenn man in der zweiten Klasse schon iPad-Unterricht hat, ist das in meinen Augen nicht zukunftsorientiert, ganz im Gegenteil“, erklärt der Sportler. Er betont die Bedeutung des handschriftlichen Schreibens für die Gehirnentwicklung und warnt vor den Gefahren sozialer Netzwerke.
„Die Kinder kommen sonst mit so extremen Inhalten viel zu früh in Berührung, sind auf diese Themen überhaupt nicht vorbereitet und können diese gar nicht verarbeiten“, so Neureuther weiter. Der Ex-Skistar berichtet von einem Pädagogen aus Weilheim, der mit Zwölf- oder 13-Jährigen im Unterricht Fake-Accounts erstellt, um die Jugendlichen für die Gefahren der digitalen Welt zu sensibilisieren.
Kritik an Eltern und Forderung nach mehr Naturbezug
Besonders deutlich wird Neureuther bei der Rolle der Eltern: „Lehrer müssen wieder mehr Verantwortung bekommen, Eltern dürfen nicht eine solche Power haben und gleich mit dem Anwalt vor der Tür stehen.“ Der vierfache Vater plädiert stattdessen für einen naturbezogenen, haptischen Unterricht mit mehr Ausflügen und Unterricht im Freien.
Als Botschafter der Werte-Stiftung und Gründer der Felix-Neureuther-Stiftung unterstützt er den Bayerischen Jugendpreis mit dem Thema „Gesunde Kinder auf einer gesunden Erde“. „Es muss wieder ein Bewusstsein für den wertschätzenden Umgang mit der Natur aufgebaut werden“, betont Neureuther. Dabei setzt er auf Vorleben statt auf Verbote – mit Ausnahme der sozialen Medien.
Digitale versus analoge Welt
„Klar, sonst ziehen sich Kinder in eine virtuelle Welt zurück, die einfach keine reale ist“, warnt Neureuther vor den Folgen übermäßiger Digitalisierung. Stattdessen empfiehlt er: „Einfach mal mit den Kindern rausgehen.“ Der Sportler sieht im zwischenmenschlichen Kontakt und in der Bewegung an der frischen Luft entscheidende Faktoren für eine gesunde Entwicklung.
Gleichzeitig fordert er bessere Zugänglichkeit von Sportstätten für alle Kinder. Seine klare Botschaft: Die Rückkehr zum Analogen und die Stärkung realer Erfahrungen müssen in Bildung und Erziehung Priorität haben, um Kinder vor den Gefahren der digitalen Welt zu schützen.



