Neubrandenburg stattet Schulen mit lebensrettenden Defibrillatoren aus
Die Stadt Neubrandenburg ergreift eine wichtige Maßnahme für die Sicherheit in Bildungseinrichtungen: Alle neun Schulen in städtischer Trägerschaft erhalten sogenannte Automatisierte Externe Defibrillatoren (AED). Diese lebensrettenden Geräte sollen im Notfall von jedem bedient werden können und kommen nun in die Klassenzimmer der mecklenburg-vorpommerschen Stadt.
Start der Einweisungen am Donnerstag
Die erste Einweisung für das Schulpersonal findet bereits am Donnerstag in der Grundschule Süd statt, wie die CDUplus-Fraktion mitteilte. Die Geräte selbst werden in den Tagen nach der Einweisung in den Schulen montiert. Für die regelmäßige Wartung und Nachschulungen laufen laut Stadtverwaltung noch Abstimmungen.
Zwei Jahre zwischen Beschluss und Umsetzung
Die Anschaffung geht auf einen Beschluss der Stadtvertretung vom Mai 2024 zurück, der damals mit 32 Ja- bei acht Gegenstimmen angenommen wurde. Der Auftrag an den damaligen Oberbürgermeister Silvio Witt war allerdings vorsichtiger formuliert: Die Verwaltung sollte zunächst die Kosten für neun Geräte ermitteln, eine Konzeption in Abstimmung mit der Feuerwehr erstellen und prüfen, ob eine Förderung aus dem Bürgerfonds Mecklenburg-Vorpommern möglich sei.
Zwischen diesem Beschluss und der nun erfolgenden Umsetzung lagen fast zwei Jahre. Der Auftrag für die Beschaffung der neun Geräte inklusive Einweisung umfasst einen Gesamtwert von rund 14.650 Euro. Ob Fördermittel aus dem Bürgerfonds Mecklenburg-Vorpommern geflossen sind, hat die Verwaltung auf Redaktionsanfrage nicht beantwortet.
Schulpersonal bereits als Ersthelfer ausgebildet
An allen neun Schulen sind bereits Schulsachbearbeiterinnen und Lehrkräfte als Ersthelfer ausgebildet. Der Umgang mit den AED-Geräten ist Bestandteil der regelmäßigen Ersthelfer-Schulungen. Die Geräte sind speziell für Laien konzipiert: Sie analysieren selbstständig den Herzrhythmus und lösen einen Elektroschock nur bei tatsächlichem Kammerflimmern aus.
„Wir sind stolz, dass unsere Initiative Wirkung zeigt und die Schülerinnen und Schüler sowie das gesamte Schulpersonal künftig noch besser geschützt sind“, sagt Fraktionsvorsitzender Björn Bromberger. Seine stellvertretende Kollegin Yvette Schöler ergänzt: „Bei einem plötzlichen Herzstillstand zählt jede Minute. Die Kombination aus sofortiger Herzdruckmassage und schnellem AED-Einsatz kann die Überlebenschancen erheblich verbessern.“
Neubrandenburg im bundesweiten Trend
Mit diesem Schritt ist Neubrandenburg zwar kein Vorreiter, liegt aber im bundesweiten Trend. Eine gesetzliche Pflicht, Defibrillatoren an Schulen bereitzustellen, gibt es weder in Mecklenburg-Vorpommern noch in anderen Bundesländern. Die Kultusministerkonferenz hatte allerdings bereits 2014 empfohlen, Wiederbelebungskurse ab Klassenstufe 7 in den Lehrplan aufzunehmen.
In Mecklenburg-Vorpommern bildet die Björn-Steiger-Stiftung seit 2010 Lehrer an weiterführenden Schulen zu Reanimationstrainern aus und stattet die Schulen mit Übungspuppen und Laien-Defibrillatoren aus. Das Land hatte 2018 ein eigenes Förderprogramm für Defibrillatoren im öffentlichen Raum aufgelegt, das jedoch nach wenigen Wochen überzeichnet war.
Regelmäßige Schulung entscheidend
Experten betonen, dass nicht nur die Anschaffung der Geräte wichtig ist, sondern vor allem die regelmäßige Schulung. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) empfiehlt, Ersthelfer in der Nutzung von AED-Geräten zu unterweisen und die Einweisungen jährlich aufzufrischen.
Die Bedeutung solcher Maßnahmen wird durch Zahlen untermauert: Rund 65.000 Menschen erleiden in Deutschland jährlich außerhalb von Krankenhäusern einen plötzlichen Herzstillstand. In Bayern fördert die Landesregierung die Anschaffung von AED-Geräten als einziges Bundesland dauerhaft – bis zu 90 Prozent der Kosten, maximal 1800 Euro pro Gerät, befristet bis Ende 2026.
Die Installation der Defibrillatoren in Neubrandenburgs Schulen markiert einen wichtigen Schritt zur Verbesserung der Notfallvorsorge in Bildungseinrichtungen und zeigt, wie Kommunen aktiv zur Sicherheit ihrer Bürger beitragen können.



