Lehrerverband positioniert sich deutlich gegen Schulstreiks während des Unterrichts
Der niedersächsische Philologenverband hat sich in einer aktuellen Stellungnahme kritisch zu den für Donnerstag geplanten Schülerdemonstrationen gegen eine neue Wehrpflicht geäußert. Verbandsvorsitzender Christoph Rabbow betonte dabei besonders die Problematik der gewählten Uhrzeit.
Demokratieerziehung ja – aber nicht auf Kosten des Unterrichts
„Das demokratische Engagement von Jugendlichen ist ausdrücklich zu begrüßen, jedoch nicht auf Kosten der regulären Unterrichtszeit“, erklärte Rabbow mit Blick auf die unter dem Motto „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ organisierten Veranstaltungen. In mehreren niedersächsischen Städten wie Hannover, Oldenburg und Osnabrück sowie in Bremen sind für den Vormittag Demonstrationen geplant.
Der Verbandsvorsitzende zeigte sich unverständlich darüber, warum die Organisatoren bewusst die Schulstunden für ihre Proteste wählen, obwohl zahlreiche Möglichkeiten außerhalb des Stundenplans zur Verfügung stünden. „Damit wird genau jener Unterrichtsausfall provoziert, der ansonsten regelmäßig und zu Recht kritisiert wird“, so Rabbow weiter.
Schulpflicht als Fundament der Bildungsgerechtigkeit
Aus Sicht des Philologenverbandes stellt der Aufruf zum Schulstreik die Schulpflicht als Grundlage von Bildungsgerechtigkeit fundamental infrage. „Schülerinnen und Schüler sollen sich politisch informieren, Positionen entwickeln und sich in demokratische Debatten einbringen“, betonte Rabbow. Dies gehöre wesentlich zur politischen Bildung, dürfe aber nicht zu Lasten des verbindlichen Unterrichts erfolgen.
Mangelnde Transparenz und sachliche Bedenken
Neben der zeitlichen Planung kritisierte der Verband zusätzlich, dass sich die Initiatoren der Kampagne nicht klar zu erkennen geben. „Wer zu Streiks aufruft, sollte namentlich zu seiner Meinung stehen und mit offenem Visier arbeiten“, forderte Rabbow. Diese Transparenz gehöre essentiell dazu, wenn man Jugendliche als mündige Gesellschaftsmitglieder ansprechen und befähigen wolle.
Inhaltlich äußerte der Philologenverband Zweifel an der Sachlichkeit der geplanten Aktionen. Die Zuspitzung auf einen drohenden Zwang zum Waffendienst sei nach aktueller Rechtslage nicht haltbar. Der Verband verwies dabei ausdrücklich darauf, dass das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung uneingeschränkt weiter gelte und somit eine differenziertere Betrachtung des Themas notwendig sei.
Die Diskussion um die angemessene Form politischen Protests von Schülerinnen und Schülern dürfte durch diese Stellungnahme des Philologenverbandes weiter an Intensität gewinnen. Besonders die Balance zwischen demokratischer Partizipation und der Wahrung der Schulpflicht bleibt dabei ein zentraler Konfliktpunkt.



