Handy-Hüllen statt pauschaler Verbote: Northeimer Oberschule setzt auf neue Strategie
Handy-Hüllen statt Verbote: Northeimer Oberschule setzt neue Strategie

Handy-Hüllen statt pauschaler Verbote: Northeimer Oberschule setzt auf neue Strategie

Wenn der Schulgong an der Oberschule Northeim ertönt, beginnt für die Schülerinnen und Schüler ein ungewöhnliches Ritual: Noch vor der ersten Unterrichtsstunde müssen alle ihre Smartphones und Smartwatches in speziell gesicherte Hüllen verstauen. Diese werden mit einem magnetischen Mechanismus verschlossen und wandern anschließend in den Schulrucksack oder die Jackentasche. Erst nach Unterrichtsschluss öffnen Lehrerinnen und Lehrer die Hüllen wieder mit einem speziellen Schlüssel.

Konzentration und bewusster Medienumgang als Ziel

Die Schule erhofft sich durch diese Maßnahme mehrere positive Effekte. Mehr Konzentration im Unterricht steht dabei ebenso im Fokus wie ein bewussterer Umgang mit digitalen Medien. Die zuständigen Lehrerinnen Beate Münker und Julia Fabian betonen, dass durch die Handy-Hüllen auch das Miteinander der Schülerschaft gestärkt werden soll. Stress und Konflikte, die durch digitale Medien entstehen können, sollen so vermieden werden.

Schulleiter Henning Schult erklärt gegenüber der „Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen“: „Mobbing ist deutlich schwerer, wenn man seinem Gegenüber dabei in die Augen sehen muss und nicht einfach irgendwas in sein Handy tippen kann.“ Seit Anfang Februar gilt die neue Regelung bereits.

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Praktische Umsetzung und Ausnahmen

Die sogenannten Handyverbotshüllen kosten bis zu 15 Euro und müssen von den Schülerinnen und Schülern selbst gekauft werden. Für Notfälle ist im Sekretariat ein Schlüssel hinterlegt, um jederzeit an die Geräte kommen zu können. Von der Regelung ausgenommen sind nur Schüler mit chronischen Erkrankungen und entsprechender ärztlicher Bescheinigung. Auch diese dürfen ihre Handys jedoch nur im Notfall oder bei medizinischer Notwendigkeit nutzen – etwa zur Blutzuckerkontrolle.

Eine Arbeitsgruppe der Universität Göttingen soll den Erfolg oder Misserfolg des Projektes künftig wissenschaftlich untersuchen. Die beiden Lehrerinnen Münker und Fabian begründen ihre Initiative damit, dass das niedersächsische Kultusministerium keine konkreten Vorgaben für die zunehmende Handynutzung gemacht habe: „Wir fühlten uns aufgefordert, eine Lösung für unsere Schüler zu schaffen.“

Land lehnt pauschale Verbote ab

Während die Northeimer Oberschule ihren eigenen Weg geht, lehnt die niedersächsische Landesregierung pauschale Handyverbote ab. Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) hatte erst Ende vergangenen Jahres solche pauschalen Verbote sowie Alleingänge einzelner Bundesländer bei diesem Thema zurückgewiesen. Auch Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hatte sich ähnlich geäußert und darauf verwiesen, dass Schüler lernen müssen, mit Handys umzugehen.

Gleichzeitig wurden alle Schulen aufgefordert, innerhalb eines Jahres verbindliche Regeln zur Nutzung von Smartphones und Smartwatches festzulegen. Grundschulen wurde explizit ein Handyverbot empfohlen. Andere Schulen in Niedersachsen entwickeln ebenfalls eigene Lösungen – so plant beispielsweise das Osnabrücker Ratsgymnasium ab dem kommenden Schuljahr eine Smartphone-freie Klasse in der Jahrgangsstufe fünf.

Bundesweite Diskussion um digitale Medien

Auch auf Bundesebene wird der Umgang mit Handys und sozialen Medien intensiv diskutiert. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich erst vergangene Woche offen für eine Altersbegrenzung für soziale Medien. Diese bundesweite Debatte unterstreicht die Relevanz des Themas, während Schulen wie die Oberschule Northeim praktische Lösungen im Schulalltag erproben.

Das Northeimer Modell zeigt einen Mittelweg zwischen kompletter Freiheit und pauschalen Verboten: Die Geräte bleiben im Besitz der Schüler, sind aber während des Unterrichts nicht nutzbar. Ob dieser Ansatz Schule machen wird, bleibt abzuwarten – die wissenschaftliche Begleitung durch die Universität Göttingen wird hierzu wichtige Erkenntnisse liefern.

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