Deutsch-Abitur in Sachsen-Anhalt: Der strategische Prüfungsmarathon beginnt
Am Dienstag, den 28. April, stehen die Abiturientinnen und Abiturienten in Sachsen-Anhalt vor einer besonderen Herausforderung: der schriftlichen Deutschprüfung. Wie in den Vorjahren erwartet sie eine strategische Entscheidung zwischen vier unterschiedlichen Aufgaben, die über den Verlauf der nächsten Stunden entscheidet. Die Prüfungszeit stellt einen echten Marathon dar – 255 Minuten im grundlegenden Anforderungsniveau und 315 Minuten im erhöhten Niveau.
Die Rahmenbedingungen: Zeit, Hilfsmittel und bundesweite Themen
Als einziges zugelassenes Hilfsmittel dient das Wörterbuch der deutschen Rechtschreibung. Seit 2025 gilt eine wichtige Neuerung, die auch 2026 fortbesteht: In beiden Anforderungsniveaus muss mindestens eine Aufgabe an bundesweit vereinbarte Themenfelder anknüpfen. Für das aktuelle Prüfungsjahr nennt Sachsen-Anhalt zwei zentrale Bereiche.
Erstens „Umbrüche in der deutschsprachigen Literatur um 1900“, ein Feld, das zentrale literarische Strömungen und Autoren dieser Epoche behandelt – vom Naturalismus bis hin zum Expressionismus. Zweitens „Sprache in politisch-gesellschaftlichen Verwendungszusammenhängen“, wo es um Sprache zwischen Verständigung und Strategie sowie politische Kommunikation in Medien geht.
Die vier Aufgabenarten: Strategische Auswahl entscheidet
Die Prüflinge müssen zwischen vier verschiedenen Aufgabenarten wählen, die jeweils unterschiedliche Kompetenzen erfordern:
- Analyse eines pragmatischen Textes
- Materialgestütztes Schreiben
- Literarische Interpretation
- Lyrische Interpretation
Alle bereitgestellten Texte sind unbekannt und dürfen maximal 1.500 Wörter umfassen. Die Hinweise betonen ausdrücklich die komplexe Gesamtleistung über mehrere Anforderungsbereiche – nicht nur Fachwissen, sondern auch Zeitmanagement und strategische Entscheidungsfähigkeit sind gefragt.
Originalaufgaben aus dem Deutsch-Abitur 2025: Ein praktischer Einblick
Im grundlegenden Anforderungsniveau standen 2025 vier Themen zur Auswahl:
- Analyse pragmatischer Texte: Max Fellmanns „Ein Wortschatz wie ein Waffenschrank“ (2022) mit Fokus auf Gedankengang, sprachlich-stilistische Gestaltung und Autorenintention (70% Gewichtung), ergänzt durch Auseinandersetzung mit militärisch geprägten Ausdrücken im Sprachgebrauch (30%).
- Materialgestütztes Verfassen: Ein informierender Vortrag über Memes als Phänomen politisch-gesellschaftlicher Kommunikation für eine Schulausstellungseröffnung, basierend auf sechs bereitgestellten Materialien.
- Literarische Interpretation: Marieluise Fleißers Schauspiel „Der Tiefseefisch“ (1929/1930) unter besonderer Berücksichtigung von Gesprächsverhalten und Figurencharakteristik.
- Lyrische Interpretation: Vergleich von Paul Boldts „Berliner Abend“ (1913) und Christian Morgensterns „Berlin“ (1906) hinsichtlich Berlin-Wahrnehmung, mit Einbezug von Literaturkenntnissen um 1900.
Im erhöhten Anforderungsniveau zeigten sich anspruchsvollere Varianten:
- Analyse pragmatischer Texte: Hendrik Munsbergs „Heute schon ‚gepitcht‘?“ (2021) zum Themenfeld Sprache in politisch-gesellschaftlichen Zusammenhängen.
- Materialgestütztes Verfassen: Ein Eröffnungsreferat über „Schreibende Frauen“ und ihre Herausforderungen früher und heute für einen Literaturabend in der Stadtbibliothek, basierend auf acht Materialien.
- Literarische Interpretation: Daniel Kehlmanns Komödie „Der Mentor“ (2012) mit Fokus auf Gesprächsverlauf und Darstellung von Künstlerfiguren.
- Lyrische Interpretation: Analyse von Arno Holz‘ Gedicht „[Die Nacht verrinnt, der Morgen dämmert]“ (1886) mit Einbezug von Literaturkenntnissen um 1900.
Die Herausforderung: Mehr als nur Fachwissen
Das Deutsch-Abitur in Sachsen-Anhalt stellt damit eine mehrdimensionale Prüfung dar. Die Schülerinnen und Schüler müssen nicht nur über fundiertes Literatur- und Sprachwissen verfügen, sondern auch die für sie passende Aufgabe identifizieren und diese innerhalb des strengen Zeitrahmens begründet bearbeiten. Die strategische Wahlentscheidung am Prüfungsbeginn kann über Erfolg oder Misserfolg mitentscheiden.
Für Interessierte und künftige Prüflinge bieten die Originalaufgaben von 2025 einen wertvollen Einblick in Anforderungsniveau und Themenvielfalt. Die Frage bleibt: Für welche Aufgabe hätten Sie sich entschieden – und hätten Sie die Bearbeitung in der vorgegebenen Zeit bewältigt?



