Brandenburgs Koalition plant umfassende Bildungsoffensive
Die geplante Koalition aus SPD und CDU in Brandenburg hat ambitionierte Pläne für das Bildungssystem des Landes vorgestellt. Nach Jahren der Kritik an Lehrermangel und schlechten Ergebnissen in Vergleichsstudien soll nun eine umfassende Reform die gesamte Bildungsbiografie von der Kita bis zur Weiterbildung verbessern. „Wir wollen Brandenburg zu einem Bildungsland entwickeln“, heißt es im gemeinsamen Koalitionsvertrag, den beide Parteien in Potsdam präsentierten.
Konkrete Maßnahmen für Schulen und Kitas
Ein zentraler Punkt der Bildungsreform ist die Einführung einer zusätzlichen Deutschstunde an Grundschulen. Darüber hinaus soll die „Schreib- und Lesepraxis“ in allen Fächern systematisch ausgeweitet werden, um die sprachlichen Grundkompetenzen der Schülerinnen und Schüler nachhaltig zu stärken.
Im Bereich der Personalausstattung plant die künftige Landesregierung die Schaffung von insgesamt 250 neuen Lehrerstellen. Diese Maßnahme soll dem akuten Lehrkräftemangel entgegenwirken, der Brandenburg seit Jahren belastet. Zuletzt war die Zahl der Lehrerstellen im Haushalt 2025 sogar um 345 Vollzeitstellen verringert worden, was zu erheblicher Kritik führte.
Neue Wege in der frühkindlichen Bildung
Im Kitabereich setzen SPD und CDU einen besonderen Schwerpunkt auf die Bewegungsförderung. Die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher soll entsprechend angepasst werden, um die motorische Entwicklung der Kinder gezielt zu unterstützen. Die bereits beschlossene Neuordnung der Kita-Finanzierung soll dabei bestehen bleiben.
Ein weiteres wichtiges Vorhaben ist die engere Zusammenarbeit zwischen Schule, Hort und Kita beim Datenaustausch. Diese Vernetzung soll eine bessere individuelle Förderung der Kinder über alle Bildungsetappen hinweg ermöglichen.
Eigener Lehrplan und Ausstieg aus Berliner Rahmenplan
CDU-Generalsekretär Gordon Hoffmann betonte bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags: „Die Frage der Bildung ist die Zukunftsfrage des Landes.“ Es gehe nicht nur um mehr Lehrkräfte, sondern auch darum, was „die Lehrkräfte eigentlich machen“.
Aus diesem Grund plant die künftige Koalition die Erstellung eines landeseigenen Lehrplans und den Ausstieg aus dem gemeinsamen Rahmenlehrplan mit Berlin. Hoffmann erklärte: „Es geht in der Schule darum, Basiskompetenzen zu stärken.“ An den Schulen solle künftig das gelehrt werden, was die Schülerinnen und Schüler „für das weitere Leben brauchen“.
Historischer Wechsel im Bildungsressort
Mit der neuen Koalition geht das Bildungsressort nach mehr als 30 Jahren von der SPD an die CDU über. Dieser Wechsel markiert einen bedeutenden Einschnitt in der brandenburgischen Bildungspolitik und unterstreicht die Priorität, die beide Parteien dem Thema beimessen.
Die geplanten Reformen kommen zu einem kritischen Zeitpunkt: Bei länderübergreifenden Bildungstests wie der Pisa-Studie hat Brandenburg in der Vergangenheit regelmäßig mit unterdurchschnittlichen Ergebnissen abgeschnitten. Die geplante Bildungsoffensive soll diese Situation nachhaltig verbessern.
Bevor die Maßnahmen umgesetzt werden können, müssen die Parteigremien von SPD und CDU dem Koalitionsvertrag noch formell zustimmen. Sollte dies erfolgen, könnte Brandenburgs Bildungssystem in den kommenden Jahren tiefgreifende Veränderungen erfahren.



