Die Deutsche Bahn testet in Berlin Schutzhelme für ihre Sicherheitskräfte, um die Mitarbeiter vor zunehmenden Angriffen zu schützen. Das Pilotprojekt läuft von Juni bis Dezember bei der Mobilen Unterstützungsgruppe (MUG), die bei Fußballspielen und Demonstrationen eingesetzt wird. Die Idee stammt von zwei Mitarbeitern der Einheit, die das Thema bei einem Runden Tisch zur Sicherheit ansprachen.
Hintergrund: Steigende Gewalt gegen Bahnpersonal
Die Sicherheitskräfte berichten von einer Zunahme aggressiver Übergriffe. „Wir sind immer öfter mit Einsatzsituationen in Konflikt gekommen, die das übersteigen, was wir kannten“, sagte einer der Initiatoren der Deutschen Presse-Agentur. Bei Fußballspielen oder an Silvester habe es Böllerwürfe und Raketenbeschuss gegeben. „Das hat noch mal ein ganz anderes Level angenommen.“ Die Zahl der registrierten Angriffe auf Bahnmitarbeitende stieg 2025 auf rund 2690 Fälle – ein Anstieg von etwa elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Schutz nur bei Eskalation
Die Berliner MUG umfasst 15 speziell ausgebildete Sicherheitskräfte, die regelmäßig mit Hundertschaften der Bundespolizei zusammenarbeiten. Bislang konnten sich Polizisten in kritischen Situationen mit Helmen schützen, die Bahnmitarbeiter jedoch nicht. „Wenn ich keinen Helm habe und bin aber in einer Reihe unterwegs, dann ist ja klar, wo das Gefährdungspotenzial am größten ist“, sagte DB-Personalvorstand Martin Seiler. Dauerhaft sollen die Helme nicht getragen werden, sondern nur dann, wenn eine Lage zu eskalieren droht. Die Sicherheitskräfte erhoffen sich dadurch zusätzlichen Schutz, um handlungsfähig zu bleiben. Bewährt sich das Projekt, könnten die Helme ab 2027 bundesweit eingeführt werden.
Weitere Sicherheitsmaßnahmen der Bahn
Der tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter Anfang Februar in der Westpfalz hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Seitdem setzt die Bahn auf zusätzliche Maßnahmen: Beschäftigte im Kundenkontakt können sich freiwillig mit Bodycams ausstatten lassen; im dritten Quartal will die Bahn Modelle mit Tonaufzeichnung testen. Zudem plant der Konzern mehr Sicherheitspersonal, baut Deeskalationstrainings aus und erprobt auf einzelnen Linien eine Doppelbesetzung mit zwei Zugbegleitern. Die MUG-Mitarbeiter sind bislang mit Einsatzhandschuhen, Handfesseln, Einsatzstock, Schutzweste, Einsatzkoppel und Tierabwehrspray ausgestattet. Bundesweit gibt es die Einheiten an zehn Standorten.



