Der tote Buckelwal Timmy, der seit rund drei Wochen vor der dänischen Insel Anholt treibt, wird an diesem Donnerstag obduziert. Der Kadaver hat sich durch Fäulnisgase stark aufgebläht, was die Gefahr einer Explosion birgt. Die Experten des dänischen Umweltministeriums stehen vor der heikelsten Aufgabe: dem Entgasen des Tieres.
Gefährliche Prozedur: Entgasen wie Bombenentschärfung
Der Biologe Teglberg Madsen, der bei der Autopsie dabei sein wird, verglich die Obduktion im „Spiegel“-Interview mit dem Entschärfen einer Bombe. Die kiloschweren Fleischbrocken, die bei einer Explosion umherfliegen, „können dich töten“, warnte Madsen. Deshalb werde der Wal zu Beginn mit einem scharfen Sektionsmesser an einem langen Stiel entgast. So sollen die Fäulnisgase langsam entweichen können.
Das Team, das Timmy am Samstag obduziert, habe Erfahrung mit dieser Technik, so Madsen. Die Zahl der beteiligten Personen werde auf ein Minimum reduziert, da jeder, der sich dem Wal nähere, sich mit Krankheiten, Viren oder Bakterien anstecken könne.
Ablauf der Obduktion: Von äußeren Verletzungen bis zum Herzen
Die Obduktion wird voraussichtlich fünf bis sechs Stunden dauern und ist laut Madsen „anstrengende Handarbeit“. Es gebe ein internationales Protokoll: Zuerst wird Timmy auf äußere Verletzungen untersucht und vermessen. Anschließend werden sein Geschlecht bestimmt und Hautproben genommen. Nach dem Entgasen kommt ein sogenannter Wal-Spatel zum Einsatz – ein großes Messer, das Fleisch und Knochen trennt. Von allen Organen werden Proben genommen und auf Krankheiten untersucht. „Am Ende steht das Herz, das relativ tief im Körper verborgen ist und bei diesem Wal etwa 50 Kilogramm wiegen wird“, erklärte Madsen im „Spiegel“.
Entgasung auch bei anderen Tieren üblich
Die Entgasung ist der entscheidende Moment der Obduktion. Auch bei Rindern und Schafen führen Tierärzte bei gefährlichen Blähungen solche Entgasungen durch. Bei diesen kleineren Tieren ist die Bandbreite der Methoden größer: Oft kommt eine Schlundsonde zum Einsatz, bei der ein Schlauch durch das Maul und die Speiseröhre geschoben wird, um Gase entweichen zu lassen. In Notfällen wird ein Baustich durchgeführt, bei dem eine Nadel direkt in den Pansen gestochen wird.
Die Obduktion von Timmy soll Aufschluss über die Todesursache des Meeressäugers geben. Der Kadaver wird seit Wochen von den Behörden beobachtet, um eine mögliche Explosion zu verhindern.



