Berlin soll grüner und fit für den Klimawandel werden. Die Ziele sind ambitioniert und wurden im Klimaanpassungsgesetz festgehalten. Doch wie sollen sie erreicht werden? Dazu hat die Stiftung Zukunft Berlin nun konkrete Vorschläge vorgelegt.
Positionspapier der AG Stadtgrün
Die AG Stadtgrün der unabhängigen Stiftung veröffentlichte am Montag ein Positionspapier, in dem sie verbindliche Standards für die Umsetzung des Gesetzes fordert. Unter anderem sollen prägende Baumbestände besser geschützt und Bäume bei der Planung von Bauprojekten früher und intensiver berücksichtigt werden. Neupflanzungen sollen nach strukturierteren Regeln erfolgen.
Qualität statt Quantität
Baumexperte Hartmund Balder, verantwortlich für die AG Stadtgrün, betont: „Es geht nicht nur um Quantität, sondern auch um Qualität.“ Die Auswahl geeigneter Baumarten, die Größe der Pflanzgruben sowie Vorgaben zu den Böden seien entscheidend, damit Bäume langfristig einen besseren Nutzen für das Stadtklima haben.
Bäume bei Bauprojekten von Anfang an mitplanen
„Momentan ist es leider so, dass in Berlin an vielen Stellen nicht ausreichend Platz für die Bäume ist, weil unterirdisch immer etwas verlegt ist“, erklärte Balder. Deshalb müsse bei künftigen Bauprojekten die Pflanzung von Bäumen von Beginn an mitgedacht werden. Dies gelte auch für die Pflege und die sogenannte Schwammstadt.
Einbeziehung der Zivilgesellschaft
Die Stiftung plädiert zudem dafür, die Zivilgesellschaft in die Umsetzung der Maßnahmen einzubeziehen. „Das Klimaanpassungsgesetz kann nur dann ein Erfolg werden, wenn Verwaltung, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam handeln“, sagte Balder.
Eine Million Bäume als ambitioniertes Ziel
Das Klimaanpassungsgesetz, vormals als BäumePlus-Gesetz bekannt, wurde im November 2025 parteiübergreifend beschlossen. Es soll Berlin bis 2040 hitzeresilienter machen – mit mehr Grünflächen, besserem Regenwassermanagement und deutlich mehr Bäumen. Entlang von Straßen soll durchschnittlich alle 15 Meter ein Baum stehen, insgesamt ist bis 2040 eine Millionenmarke vorgesehen.
Ein halbes Jahr nach Umsetzung des Gesetzes kommen jedoch Zweifel auf, ob eine Umsetzung realistisch ist. Die Initiative „BaumEntscheid“ hatte zuletzt Verzögerungen kritisiert und schnellere Reformen gefordert.
Erweiterung des Wissenschaftlichen Beirats
Die Stiftung fordert außerdem die Erweiterung des Wissenschaftlichen Beirats für Klimaanpassung. Der Senat hatte im Mai die Einsetzung eines neuen Beirats beschlossen, dem fünf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Fachgebieten wie Stadtentwicklung, Gesundheit und Landschaftsarchitektur angehören. Laut den Forderungen soll der Beirat um einen Baumexperten sowie um eine Person mit Kenntnissen des zweistufigen Verwaltungsaufbaus in Berlin ergänzt werden.
Berlin als Reallabor für die Stadt der Zukunft
Balder erklärte: „Sollten diese Maßnahmen umgesetzt werden, könnte Berlin zu einem Reallabor für eine Stadt der Zukunft werden. Diese Chance müssen wir nun wahrnehmen.“ Wie hoch die Kosten dafür schätzungsweise seien, nannte die Stiftung nicht.



