Ärger am Glienicker See: Badegäste entfernen Hornkraut – Behörde mahnt zur Vorsicht
Am beliebten Glienicker See zwischen Berlin-Spandau und Potsdam sorgt eine ungewöhnliche Aktion für Aufsehen: Badegäste haben in den vergangenen Tagen wiederholt Wasserpflanzen aus dem See gezogen und am Ufer abgelegt. Dabei handelt es sich um das sogenannte Raue Hornkraut, auch Hornblatt genannt. Doch das Rathaus von Berlin-Spandau ist alles andere als erfreut über diese Aufräumaktion. „Lasst die Pflanzen bitte im See!“, appelliert das Büro von Umweltstadtrat Thorsten Schatz (CDU).
Warum Hornkraut wichtig ist
Das Bezirksamt betont, dass Hornkraut keine Alge sei, sondern eine natürliche Wasserpflanze mit wichtigen Funktionen. „Es nimmt Nährstoffe auf, verbessert die Sauerstoffversorgung und bietet Jungfischen Schutz“, erklärt Schatz. Die Pflanze sei essenziell für die Wasserqualität und das ökologische Gleichgewicht des Sees. Zudem könne Hornkraut überschüssige Nährstoffe binden und so einer Algenblüte entgegenwirken – ein Problem, das den See in heißen Sommern immer wieder plagt.
Störend beim Baden, aber nützlich
Das Hornkraut treibt oft wie ein dichter Teppich an der Wasseroberfläche und wird von vielen Schwimmern als störend empfunden. Dennoch appelliert der Stadtrat: „Auch wenn das Hornkraut beim Baden als störend empfunden werden kann, hilft es dem See.“ Da die Pflanze nicht im Seeboden verwurzelt ist, wird sie durch Wind und Wellen umhergetrieben. In einigen Berliner Gewässern, wie dem Waldsee in Zehlendorf, wird Hornkraut sogar gezielt entfernt, um die Wasserqualität zu regulieren.
Der Glienicker See: Ein geteilter See mit besonderer Geschichte
Der Groß Glienicker See liegt im Berliner Südwesten und gehört zur Hälfte zum Spandauer Ortsteil Kladow. Die andere Hälfte liegt in Brandenburg und gehört zu Potsdam. Früher verlief die DDR-Grenze mitten durch den See, markiert durch Bojen. Während West-Berliner Kinder ins Wasser rennen konnten, verhinderte die DDR den Zugang auf ihrer Seite mit einer Mauer. Eine Gedenkstätte am Nordufer erinnert an diese besondere Geschichte.
Herausforderungen für den See
Der See steht seit Jahren im Fokus von Behörden und Anwohnern. Themen wie Wassermangel, freigelegte Ufer, Sorgen der Angler und Verkehrschaos in den Sommermonaten beschäftigen die Gemeinde. Im heißen Spätsommer meiden viele Anwohner den See, da die Haut nach dem Baden oft juckt – möglicherweise eine Folge von Blaualgen. Um die Nährstoffbelastung zu reduzieren, werden Auffangschächte und Versickerungsgruben gebaut, wie an der Kladower Uferpromenade. Hornkraut kann laut Rathaus dabei helfen, überschüssige Nährstoffe aufzunehmen und so die Algenentwicklung einzudämmen.
Das Bezirksamt bittet die Badegäste eindringlich, die Pflanzen im Wasser zu belassen, um das empfindliche Ökosystem des Sees zu schützen. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem Bezirksnewsletter aus Spandau.



