Die Hauptstadtregion erlebt eine extreme Hitzewelle. Am Wochenende werden Temperaturen von bis zu 41 Grad erwartet. Die Auswirkungen sind bereits spürbar: Freibäder stoppen den Ticketverkauf, Schulen geben hitzefrei, zahlreiche Veranstaltungen fallen aus. Die Feuerwehr rüstet sich für mehr Einsätze, die Polizei verstärkt ihre Präsenz. Hier die wichtigsten Entwicklungen im Überblick.
Freibäder unter Druck: Ticketstopp und lange Schlangen
Bereits am Vormittag sorgte die angekündigte Hitze für großen Andrang in den Berliner Freibädern. Vor dem Sommerbad am Insulaner in Schöneberg bildete sich vor 10.30 Uhr eine mehrere hundert Meter lange Schlange, wie ein dpa-Reporter berichtete. Auf der Webseite der Berliner Bäder waren kurz nach 11.00 Uhr Warnhinweise für das Sommerbad Humboldthain und das Sommerbad Pankow zu sehen: „Aktuell maximale Auslastung: Ticket-Verkauf-Stopp“. Der Zugang wird dort nur noch mit bereits gebuchten Zeitfenster-Tickets oder Abos gestattet.
Die Berliner Bäderbetriebe (BBB) rechnen mit bis zu 100.000 Gästen an den beiden Wochenendtagen und empfehlen, Tickets online zu erwerben. Insgesamt stehen 14 Sommerbäder und das Strandbad Wannsee zur Verfügung. Das Sommerbad Mariendorf ist wegen eines Stromausfalls geschlossen.
Temperaturen bis 41 Grad: Hitzegewitter am Sonntag möglich
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) steigen die Temperaturen am Samstag auf 38 bis 41 Grad. Erst am Abend sind in der Prignitz vereinzelt Schauer und Gewitter möglich. Die Nacht bleibt mit Tiefstwerten zwischen 24 und 19 Grad warm. Am Sonntag setzt sich die extreme Hitze zunächst fort, bevor sich von Südwesten her Quellwolken bilden und örtlich kräftige Hitzegewitter mit Unwetterpotenzial entstehen können. Zum Wochenstart wird es etwas kühler: Am Montag liegen die Höchstwerte zwischen 29 und 32 Grad, am Dienstag gehen sie auf 23 bis 28 Grad zurück.
Die anhaltende Trockenheit lässt die Waldbrandgefahr weiter steigen. In fast allen Landkreisen Brandenburgs gilt eine hohe Gefahrenstufe, in Potsdam-Mittelmark, Potsdam, Brandenburg an der Havel, der Prignitz und im Havelland wird sie sogar als sehr hoch eingestuft. Auch in Berlin reicht die Waldbrandgefahr von mittel bis sehr hoch.
Gesundheitliche Warnungen: Kopfsprünge ins Wasser vermeiden
Angesichts der Hitze warnen Experten vor Kopfsprüngen ins flache Wasser. „Die Halswirbelsäule ist besonders fragil“, sagte Jan Schwab, Direktor der Klinik für Rückenmarkverletzte am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin (UKB), der dpa. „Das führt direkt zu einer Lähmung.“ Schwab sieht jährlich mindestens zehn Fälle, oft bei „übermütigen jungen Männern“. Ein bis anderthalb Meter tiefes Wasser sei zu flach für einen Sprung kopfüber, auch zwei bis zweieinhalb Meter könnten je nach Sprunghöhe zu flach sein.
Die Berliner Feuerwehr stellt sich auf ein arbeitsreiches Wochenende mit Kreislaufproblemen und Badeunfällen ein. Die Vivantes-Kliniken verzeichneten einen moderaten Anstieg hitzebedingter Einlieferungen, vor allem ältere Menschen mit Flüssigkeitsmangel und Kinder mit Kopfschmerzen oder Hitzschlägen.
Schulen und Veranstaltungen: Hitzefrei und Absagen
Immer mehr Schulen in Berlin steigen auf Kurzunterricht um oder geben hitzefrei. Betroffen sind unter anderem die Grundschule an der Victoriastadt, die Moabiter Grundschule, das Schadow-Gymnasium und die Eichendorff-Grundschule, die die Schulpflicht für heute komplett aufgehoben hat. Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) sagt alle Veranstaltungen in der Amerika-Gedenkbibliothek ab. „Bibliotheken sollten stets sichere und gut zugängliche öffentliche Aufenthaltsorte sein – zu allen Jahreszeiten. Dass wir genau das gerade wieder nicht anbieten können, zeigt, wie dringend Berlin ein Bibliotheksgebäude braucht, das auf der Höhe der Zeit ist“, sagte Jonas Fansa, Direktor der ZLB.
Weitere Absagen betreffen die Sommershow von Tobi Krell in den Gärten der Welt, das Straßenfest „Sommerliebe Schmargendorf“ und den Sommer-Empfang der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Die preußischen Schlösser schließen bereits um 13 Uhr, der Fährbetrieb zur Pfaueninsel wird eingestellt. Die Berliner Philharmoniker lockern für ihr Saisonabschlusskonzert in der Waldbühne die Kleiderordnung: Die Herren treten ohne Jackett auf, die Damen mit kurzen Ärmeln.
Infrastruktur und Versorgung: Wasser, Verkehr und Kühlung
Die Berliner Wasserbetriebe meldeten einen Spitzenverbrauch von 49 Millionen Litern Wasser pro Stunde. Sie weisen auf 250 Trinkbrunnen, über 600 Refill-Stationen und den ersten Cooling Point am Mauerpark hin. Allerdings ist das Wasser aus Zierbrunnen kein Trinkwasser. Ventilatoren und mobile Klimageräte sind in vielen Baumärkten ausverkauft. Die BVG lässt am Wochenende U-Bahnen mit maximaler Wagenzahl fahren und verteilt Wasser an Fahrer. Wegen der Hitze entfallen auf den Regionalbahnlinien RE1 und RE8 die Stopps Schwerin Süd und Holthusen.
Die Berliner Polizei erhöht ihre Präsenz in der Stadt und setzt Sonderstreifen ein. Die Feuerwehr rüstet sich für mehr Einsätze. Der Bezirk Mitte schließt am Wochenende mehrere Kultureinrichtungen, darunter den Bärenzwinger und die Galerie Wedding. Die Stadtbibliothek Lichtenberg bleibt ganztägig geschlossen. Trotz der Hitze finden einige Veranstaltungen statt, wie das Konfirmationsfest in Kladow mit 1000 Gästen, bei dem Pfarrer Nicolas Budde auf Schatten und viel Wasser setzt.



