Berlin und Potsdam beim Hitzeschutz vorn, aber Bäume schwinden
Berlin und Potsdam beim Hitzeschutz vorn

Trotz zahlreicher Fällungen schneiden Berlin und Potsdam beim Hitzeschutz durch Stadtgrün vergleichsweise gut ab. Eine neue Analyse der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigt, dass beide Städte zu den wenigen Großstädten gehören, die ausreichend Schatten durch Baumkronen bieten. Gleichzeitig hat die Hauptstadt jedoch massiv an Stadtgrün verloren.

Baumschatten: Berlin und Potsdam über dem Richtwert

Im sogenannten „Hitze-Check 2026“ erreicht Berlin einen Beschirmungsgrad von gut 32 Prozent. Damit liegt die Hauptstadt über dem von Wissenschaftlern empfohlenen Richtwert von mindestens 30 Prozent. Potsdam kommt sogar auf rund 34 Prozent. Bundesweit zählen beide Städte damit zu einer kleinen Gruppe von Kommunen, die ausreichend Schatten durch Baumkronen bieten können.

Hohe Baumverluste in Berlin und Potsdam

Doch die positive Nachricht wird von alarmierenden Verlusten überschattet. Zwischen 2018 und 2025 gingen in Berlin rechnerisch rund 57.000 Bäume verloren – einer der höchsten Werte unter den untersuchten Städten. In Potsdam waren es fast 8.700 Bäume. Bundesweit summiert sich der Verlust laut DUH auf mehr als 900.000 Bäume.

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Andere brandenburgische Städte unter dem Richtwert

Während Berlin und Potsdam die Vorgaben erfüllen, bleiben andere Städte in Brandenburg zurück. Cottbus kommt auf rund 27 Prozent, Frankfurt (Oder) ebenfalls auf 27 Prozent und Brandenburg an der Havel auf etwa 26 Prozent. Alle drei liegen damit unter dem empfohlenen Wert zur Baumbeschattung.

DUH-Geschäftsführerin warnt vor Betonwüsten

Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH, sprach von einem besorgniserregenden Trend. „Besonders alarmierend ist, dass in den untersuchten Städten in den vergangenen sieben Jahren nahezu eine Million Bäume verschwunden sind“, sagte sie. Wenn sich diese Entwicklung fortsetze, drohten „menschenfeindliche Betonwüsten“.

Zunehmende Versiegelung und Hitzebelastung

Neben dem Rückgang von Stadtgrün kritisiert die DUH auch eine zunehmende Versiegelung. In allen untersuchten Städten habe die versiegelte Fläche zugenommen, während sich gleichzeitig die Hitzebelastung vielerorts verschärft habe. Dies sei eine gefährliche Entwicklung für die Lebensqualität in den Städten.

Handlungsbedarf: Mehr Bäume für Berlin

Heinrich Strößenreuther, Gründer von BaumEntscheid, sieht dringenden Handlungsbedarf. „Der grüne Hitzeschutz durch Bäume schwindet, Städte ohne ausreichend Baumschatten werden ungesunde bis unerträgliche Städte“, warnte er. In Berlin sei jedoch bewiesen worden, dass Bürger etwas ändern könnten: Parteiübergreifend und einstimmig sei das erste per Volksentscheid erkämpfte Klimaanpassungsgesetz Deutschlands erreicht worden, das für eine Million Straßenbäume und 4.000 Miniparks sorge.

Berlin muss beim Pflanzen neuer Bäume zulegen

Um die Vorgaben des Klimaanpassungsgesetzes zu erfüllen, muss Berlin beim Pflanzen neuer Straßenbäume deutlich zulegen. Der Staatssekretär für Umwelt und Klimaschutz, Andreas Kraus, sagte im Mai, er gehe davon aus, dass bis Ende 2027 etwa 5.000 Bäume nachgepflanzt werden müssten. Das wären etwa 2.500 pro Jahr. Zum Vergleich: Bisher wurden im Durchschnitt etwa 1.200 Straßenbäume jährlich neu gepflanzt.

Ambitioniertes Ziel: 440.000 Straßenbäume bis 2027

Laut dem Klimaanpassungsgesetz muss der Bestand an Straßenbäumen bis Ende 2027 bei 440.000 liegen. Kraus zufolge waren es Stand Ende 2025 zwar bereits 439.328. Allerdings sei damit zu rechnen, dass in diesem und im nächsten Jahr jeweils um die 2.000 Bäume wegen Klima- oder sonstigen Schäden wegfallen. Die Stadt steht also vor einer großen Herausforderung, den Verlust auszugleichen und die ambitionierten Ziele zu erreichen.

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