Die Woche der pflegenden Angehörigen in Thüringen steht in diesem Jahr ganz im Zeichen der bundesweiten Debatte um eine Pflegereform. Familien mit Pflegebedürftigen sind verunsichert, wie eine Umfrage des Vereins „Wir pflegen!“ zeigt.
Kritik an einseitiger Debatte
Angehörige von Pflegebedürftigen in Thüringen beklagen eine Einseitigkeit in der Diskussion um die Reform der Pflegeversicherung. Es gehe offensichtlich nur um Leistungskürzungen, sagte Sigrun Fuchs, Vorstandsmitglied des Vereins „Wir pflegen!“, einer Interessen- und Selbsthilfevereinigung pflegender Angehöriger, der Deutschen Presse-Agentur. Dies sorge bei Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen für große Verunsicherung. „Alte Menschen werden als reiner Kostenfaktor betrachtet, das ist fürchterlich“, so Fuchs.
Reformpläne der Bundesregierung
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat ein Reformkonzept für die unter großem finanziellen Druck stehende Pflegeversicherung angekündigt. Die öffentliche Debatte dreht sich etwa um höhere Hürden für die Einstufung in Pflegegrade, die Voraussetzung für finanzielle Zuwendungen durch die Pflegekassen sind. Viele Angehörige befürchten, dass sie künftig noch weniger Unterstützung erhalten werden.
Forderung: Angehörige stärken
Eine Konzentration allein auf Leistungskürzungen wäre für Fuchs der falsche Ansatz. „Der Ansatz muss sein: Wie können wir eine bedarfsgerechte Versorgung der Pflegebedürftigen organisieren, was können wir besser machen und wie können wir dabei die Angehörigen stärken – die ja die Hauptlast bei der Betreuung tragen?“, fragte sie. Genau dies passiere aber nicht. Stattdessen fühlten sich pflegende Angehörige alleingelassen und nicht wertgeschätzt.
Situation in Thüringen
In Thüringen leben knapp 200.000 Pflegebedürftige. Der größte Teil von ihnen wird zu Hause von Verwandten gepflegt. Nicht alle werden dabei von ambulanten Pflegediensten unterstützt oder können sich professionelle Hilfe leisten. „Das ist kein Randthema“, betonte Fuchs. Viele Angehörige pflegen rund um die Uhr und sind dadurch körperlich und seelisch stark belastet.
Woche der pflegenden Angehörigen
Der Verein veranstaltet ab Montag die Woche der pflegenden Angehörigen. Mehr als 70 Veranstaltungen in 27 Orten stehen auf dem Programm, hauptsächlich Beratungen zu verschiedenen Pflegeaspekten und zur Prävention, etwa zur Sturzprophylaxe. Auch Erholungsangebote für Angehörige Pflegebedürftiger sind ein wichtiges Thema. Die Teilnehmer können sich über Entlastungsmöglichkeiten informieren und Gleichgesinnte treffen.
Die Veranstaltungsreihe soll dazu beitragen, die Situation pflegender Angehöriger stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken und politische Forderungen zu untermauern. Fuchs appellierte an die Politik, die Angehörigen nicht länger als Kostenfaktor zu betrachten, sondern als unverzichtbare Stütze des Pflegesystems anzuerkennen.



