Pflegeheim-Skandal: Vier Angeklagte vor Gericht in Braunschweig
Pflegeheim-Skandal: Vier Angeklagte vor Gericht

Prozessauftakt in Braunschweig: Systematische Misshandlung von Pflegeheimbewohnern

Am Landgericht Braunschweig hat ein aufwendiger Prozess gegen vier Angeklagte begonnen, denen vorgeworfen wird, in einem Pflegeheim im Harz über Jahre hinweg Bewohner systematisch ruhiggestellt und eingesperrt zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Misshandlung von Schutzbefohlenen vor.

Die Vorwürfe im Detail

Laut Anklage sollen die Angeklagten aus reiner Profitgier gehandelt haben. Zwischen Oktober 2017 und September 2020 sollen sie in der Einrichtung mit 68 Plätzen in Langelsheim ein sogenanntes „Herrschaftsregime“ errichtet haben, das von Kontrolle, Angst und Leid geprägt war. Die Bewohner wurden durch sedierende Medikamente außer Gefecht gesetzt, um einen möglichst störungsfreien Pflegebetrieb zu gewährleisten. Zudem sollen besonders „lauffreudige“ Menschen hinter Bettgittern eingesperrt worden sein.

Die Angeklagten und ihre Rollen

Die Vorwürfe richten sich in 17 Fällen gegen drei Hauptangeklagte: ein Ehepaar – ein 60-jähriger Mann und eine 63-jährige Frau – als Betreiber des Heims sowie eine 51-jährige Frau als Leiterin, die als „verlängerter Arm“ des Ehepaars agiert haben soll. In 14 Fällen wird einer 59-jährigen Pflegedienstleiterin Beihilfe vorgeworfen. Die Anklage umfasst zudem gewerbsmäßigen Bandenbetrug.

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Fälschungen und Täuschungen

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, Berichte zum Gesundheitszustand der Bewohner gefälscht und Ärzte belogen zu haben. Ziel war es, die unhaltbaren Zustände zu vertuschen und den Betrieb möglichst profitabel zu gestalten. Der Vorsitzende Richter kündigte an, dass sich die Kammer auf die Vergabe von Medikamenten konzentrieren wolle.

Prozessverlauf und Ausblick

Mehr als 50 Verhandlungstermine sind bis Ende Januar 2027 angesetzt. Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung für alle Angeklagten. Der Prozess gilt als einer der aufwendigsten seiner Art in der Region.

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