Die gestiegene Armutsquote in Deutschland und insbesondere in Berlin ist nach Ansicht von Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) ein dringender Weckruf für die Politik. In einem Interview mit dem Inforadio des RBB betonte die SPD-Politikerin, dass vor allem ältere Menschen, Alleinerziehende und Kinder häufig von Armut betroffen seien. In einem der reichsten Länder der Welt dürfe niemand Angst haben, dass das Geld nicht zum Leben reiche. Daher sei die Politik gefordert, diese Schere zu schließen.
Landesregierung ergreift Maßnahmen
Die Berliner Landesregierung habe bereits zahlreiche Maßnahmen gegen Armut beschlossen und umgesetzt, darunter kostenloses Grundschulessen, ein BVG-Schülerticket und einen höheren Landesmindestlohn, so Kiziltepe. Allerdings sei die Sozialpolitik größtenteils durch Bundesgesetze geregelt. Sie äußerte sich besorgt als Bundesvorsitzende des Arbeitnehmerflügels der SPD: „Ich kann nur davor warnen, die Menschen noch mehr zu verunsichern, wie es der Kanzler gerade tut.“ Sie fügte hinzu: „Sozialabbau schafft kein Wirtschaftswachstum, und der Sozialstaat hat aus meiner Sicht in erster Linie ein Problem unzureichenden Wirtschaftswachstums.“
Kritik an Merz' Reformforderungen
CDU-Chef Friedrich Merz betont seit Monaten die Notwendigkeit einschneidender Reformen im Sozialstaat. Er argumentiert, dass man nicht einfach so weitermachen könne wie in den letzten 20 Jahren; Deutschland müsse sich aufraffen. Kiziltepe hingegen warnt vor einer Verunsicherung der Bevölkerung und plädiert für eine andere Herangehensweise.
Armutsquote in Berlin deutlich gestiegen
Laut einem neuen Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes ist die Armutsquote in der Hauptstadt erneut stark gestiegen. Im Jahr 2025 lag sie bei 18,7 Prozent – das sind 2,2 Prozentpunkte mehr als 2024 und sogar fünf Prozentpunkte über dem Niveau von 2023. In Brandenburg blieb die Quote hingegen nahezu stabil bei 14,7 Prozent. Die Berliner Quote liegt damit deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 16,1 Prozent, während Brandenburg darunter liegt.



