In Thüringen ist der Anteil der Menschen, die in Armut leben, im vergangenen Jahr wieder gestiegen. Die Armutsquote lag 2025 bei 17,4 Prozent, wie aus dem aktuellen Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hervorgeht. Damit liegt der Freistaat über dem Bundesdurchschnitt von 16,1 Prozent und zählt zu den sechs Bundesländern mit dem höchsten Anteil armer Menschen an der Bevölkerung.
Entwicklung der Armut in Thüringen
Die Armutsquote war in Thüringen seit 2021 kontinuierlich gesunken. Im Jahr 2024 hatte der Wohlfahrtsverband sie noch mit 15,7 Prozent angegeben. Nun hat sich dieser positive Trend jedoch wieder umgekehrt. Für den Verband gilt als arm, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt. Dabei wird das gesamte Nettoeinkommen eines Haushalts berücksichtigt, einschließlich Wohngeld, Kindergeld, Kinderzuschlag, weiterer Transferleistungen sowie sonstiger Zuwendungen.
Die amtliche Statistik spricht in Einklang mit dem EU-Standard ab dieser Schwelle lediglich von Armutsgefährdung. Als armutsgefährdet gelten nach diesem Standard alleinlebende Menschen, die monatlich 1.445 Euro zur Verfügung haben. Bei einer vierköpfigen Familie mit zwei kleinen Kindern liegt diese Schwelle bei 3.035 Euro.
Politische Reaktionen
Die Thüringer Linke kritisierte angesichts der Entwicklung die geplanten Sozialreformen der Bundesregierung scharf. „Statt soziale Sicherheit zu stärken, bedroht die Merz-Regierung mit ihrem geplanten Kahlschlag Alleinerziehende, Alte, Kranke, Menschen mit Behinderungen, Geflüchtete sowie Kinder und Jugendliche“, erklärte die Linke-Landesvorsitzende Katja Maurer. „Also jene, die ohnehin schon auf Hilfe angewiesen sind.“
Bundesweite Armutsquoten im Vergleich
Bundesweit leben dem Bericht zufolge 13,3 Millionen Menschen in Armut. Das Bundesland mit der höchsten Armutsquote ist Bremen mit 27,5 Prozent, gefolgt von Sachsen-Anhalt (21,3 Prozent), Hamburg (18,9 Prozent), Berlin (18,7 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (17,6 Prozent). Die niedrigsten Quoten verzeichnen Bayern (12,3 Prozent), Baden-Württemberg (13,2 Prozent) und Brandenburg (14,7 Prozent).
Bücher, Kino oder Eintritt in den Zoo: Für Menschen mit geringem Einkommen sind solche Aktivitäten oft unerschwinglicher Luxus. Sie müssen jeden Cent umdrehen, um über die Runden zu kommen. Der Anstieg der Armutsquote in Thüringen zeigt, dass trotz zwischenzeitlicher Verbesserungen weiterhin Handlungsbedarf besteht.



