Die soziale Spaltung in Deutschland verschärft sich weiter. Nach dem aktuellen Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbands sind rund 13,3 Millionen Menschen von Armut betroffen. Die Armutsquote steigt damit auf 16,1 Prozent – ein alarmierender Wert. Im Vorjahr lag die Quote noch bei 15,5 Prozent, zwei Jahre zuvor bei 14,4 Prozent.
Besonders betroffen: Ältere, Frauen und Alleinerziehende
Fast jeder fünfte Mensch über 65 Jahren lebt in Armut, das entspricht einer Quote von 19,5 Prozent. Bei Frauen über 75 Jahren sind es sogar 21,3 Prozent. Alleinlebende haben mit 30,3 Prozent das höchste Armutsrisiko, dicht gefolgt von Alleinerziehenden mit 28,9 Prozent. Der Verband kritisiert, dass sich Armut verfestige, vor allem in diesen Gruppen.
Alltagsauswirkungen und sozialstaatliche Defizite
Verbandsgeschäftsführer Joachim Rock betont: Die Folgen der Armut seien im Alltag spürbar – am Küchentisch, beim Einkauf, bei der Frage, ob eine vollwertige Mahlzeit noch bezahlbar ist. „Dass ältere Menschen nach einem langen Erwerbsleben und Haushalte mit Kindern besonders betroffen sind, zeigt die schon jetzt bestehenden Defizite im Sozialstaat.“ Millionen Menschen könnten sich unerwartete Ausgaben nicht leisten, sparten beim Heizen oder verzichteten auf gesellschaftliche Teilhabe. 4,6 Millionen Menschen leben in erheblicher materieller Entbehrung.
Appell an die Politik
Rock richtet einen deutlichen Appell an die Bundesregierung: „Wer in der Krise den Sozialstaat weiter abbaut, der vertieft die Krise. Die Bundesregierung ist aufgefordert, diesen Kurs zu stoppen und endlich eine Politik zu machen, die Armut bekämpft statt verwaltet.“ Die steigenden Zahlen seien kein abstraktes Phänomen, sondern hätten konkrete Auswirkungen auf Millionen von Lebensrealitäten.
Regionale Unterschiede verschärfen sich
Die soziale Spaltung zeigt sich auch regional: In Bayern ist etwa jeder Achte von Armut betroffen, in Sachsen-Anhalt bereits mehr als jeder Fünfte, in Bremen sogar mehr als jeder Vierte. Armut sei „längst auch eine Frage des Wohnortes“, so der Verband. Die reale Lebensbedingungen driften auseinander, die Ungleichheit nimmt zu.
Der Paritätische Gesamtverband fordert daher ein Umdenken in der Sozialpolitik. Die Bekämpfung von Armut müsse Priorität haben, nicht die Verwaltung derselben. Ohne Gegenmaßnahmen drohe eine weitere Vertiefung der sozialen Kluft.



