Ein Berliner Polizist steht im Verdacht, an den gewaltsamen Ausschreitungen im Olympiastadion im Januar beteiligt gewesen zu sein. Die Polizei hatte am Freitag zunächst mitgeteilt, dass gegen einen Beamten wegen einer „gewalttätigen Auseinandersetzung“ im Ortsteil Westend „zu Beginn des Jahres“ ermittelt werde. Ein Sprecher bestätigte dem Tagesspiegel am Samstag auf Nachfrage, dass die Ermittlungen im Zusammenhang mit einer Öffentlichkeitsfahndung nach der Hooligan-Attacke auf Polizisten am Rande des Fußballspiels zwischen Hertha BSC und Schalke 04 am 17. Januar stehen.
Polizist auf Fahndungsfoto erkannt
Zuerst hatte die „B.Z.“ berichtet, dass der Polizist auf einem der Fahndungsfotos erkannt worden sein soll, die Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch veröffentlicht hatten. So explizit wollte das der Polizeisprecher auf Tagesspiegel-Nachfrage nicht bestätigen, er sprach lediglich von einem Zusammenhang der Ermittlungen gegen den Polizisten mit der entsprechenden Fahndung. Mit Bildern von 18 Männern, die an der Hooligan-Attacke beteiligt gewesen sein sollen, hatten Polizei und Staatsanwaltschaft die Öffentlichkeit um Hilfe bei der Aufklärung gebeten. Zehn der Tatverdächtigen konnten schnell identifiziert werden. Der bislang Letzte, mit der Nummer 16, am Freitag, wie die Polizei mitteilte. Dabei soll es sich laut „B.Z.“ um den Berliner Polizisten handeln.
Ermittlungen gegen Polizisten aufgenommen
An genau diesem Freitag vermeldete die Berliner Polizei, am Nachmittag Ermittlungen gegen den Polizeibeamten aufgenommen zu haben. Er befand sich demnach zum Tatzeitpunkt außer Dienst. Videoaufnahmen sollen ihn „bei einer etwaigen strafbaren Handlung“ zeigen. Laut Polizei wird dabei auch geprüft, ob dienstrechtliche Maßnahmen eingeleitet werden. Den Zusammenhang mit den Fankrawallen verschwieg die Behörde in ihrer Mitteilung.
Gewaltsame Ausschreitungen im Olympiastadion
Vor der als Risikospiel eingestuften Partie von Hertha BSC gegen Schalke 04 in der 2. Fußball-Bundesliga war es im Olympiastadion am 17. Januar zu gewalttätigen Ausschreitungen im Bereich der Ostkurve und der angrenzenden Umläufe und Zugänge gekommen. Aus einer größeren Gruppe heraus wurden nach Polizeiangaben Polizistinnen und Polizisten unter anderem mit Wurfgegenständen angegriffen – darunter Absperrgitter, Sitzbänke, herausgerissene Mülleimer und Fahnenstangen.
Bei den Auseinandersetzungen waren 21 Beamte und 31 Fans verletzt worden. Die Polizei hatte zunächst fünf Fans festgenommen. Hertha-Ultras warfen ihrerseits der Polizei vor, provozierend aufgetreten zu sein und sich nicht an Absprachen mit der Fanszene gehalten zu haben. Auch der Verein erklärte, in den Monaten zuvor seien Einsatzkonzepte der Polizei „als zunehmend konfrontativ“ und „nicht mehr durchgängig deeskalierend wahrgenommen worden“.



