Eine mutmaßliche Schleuserbande soll in Berlin über Jahre hinweg indische Köche unter prekären Bedingungen beschäftigt und ausgebeutet haben. Bei einer Razzia am frühen Mittwochmorgen stießen Ermittler auf eine Küche, in der die Betroffenen unter menschenunwürdigen Bedingungen gelebt haben sollen. Das teilten die Berliner Ermittlungsbehörden am Donnerstag mit.
Durchsuchungen in Berliner Ortsteilen
Durchsucht wurden demnach die Küche sowie zwei Wohnungen der mutmaßlichen Menschenhändler in den Ortsteilen Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg. Bereits vor zwei Jahren hatten die Behörden Objekte der acht mutmaßlichen Schleuser im Alter von 33 bis 66 Jahren durchsucht. Die Situation der betroffenen Arbeitnehmer soll sich seitdem weiter verschlechtert haben.
Teilweise erhielten sie keinen Lohn
Bei dem Einsatz trafen die Ermittler den Angaben zufolge vier Köche an. Zudem fanden sie verdorbene Lebensmittel, blockierte Fluchtwege sowie Lohnunterlagen, die nach Einschätzung der Behörden auf systematische Ausbeutung hindeuten. Die Männer sollen bis zu 13 Stunden täglich gearbeitet haben, ohne den gesetzlichen Mindestlohn zu erhalten. In einzelnen Fällen sei ihnen überhaupt kein Lohn ausgezahlt worden.
Die mutmaßlichen Schleuser sollen mindestens seit 2021 gezielt indische Spezialitätenköche angeworben und ihnen nach der Einreise nach Deutschland die Dokumente abgenommen haben. Damit wollten sie offenbar ein Abhängigkeitsverhältnis schaffen. Die Köche seien anschließend in überfüllten Unterkünften oder Kellerräumen von Restaurants untergebracht worden.
Großrazzia vor zwei Jahren
Die Ermittlungen laufen bereits seit Juni 2023. Im Frühjahr 2024 hatten rund 380 Einsatzkräfte bei einer Großrazzia in Berlin und Brandenburg 22 Objekte durchsucht, sieben davon indische Restaurants. Die jüngsten Durchsuchungen erfolgten aufgrund neuer Hinweise.
Nach Angaben der Ermittler nutzten die Verdächtigen ein Geflecht verschiedener Betreibergesellschaften, um die tatsächlichen Strukturen zu verschleiern. Darüber hinaus besteht der Verdacht, dass erhebliche Sozialversicherungsbeiträge nicht abgeführt wurden.
Bei den Durchsuchungen stellten die Behörden neben den Lohnunterlagen auch zwei Handys sicher. Die vier angetroffenen Köche wurden zu ihren Arbeits- und Lebensbedingungen befragt und über Unterstützungsangebote informiert.
Die Lebensmittelkontrolleure entsorgten aufgrund hygienischer Mängel Fleisch, Gemüse und zubereitete Soßen. Wegen blockierter Fluchtwege ordnete das Bauamt die sofortige Schließung der durchsuchten Küche an.



