Nach der Gewalttat mit sechs Todesopfern in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade (Niedersachsen) hat die Polizei Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Täter erlassen. Der 45-jährige Mann sitzt in Untersuchungshaft. Die Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen, da die Staatsanwaltschaft von Mordmerkmalen wie Heimtücke und niederen Beweggründen ausgeht.
Waffenkauf in Berlin geplant
Laut Recherchen des NDR soll der Tatverdächtige die Tatwaffe bereits eine Woche vor der Tat am Berliner Kurfürstendamm erworben haben. Zusammen mit 21 Patronen habe er dafür 4000 Euro gezahlt. Dies deutet auf eine sorgfältige Planung hin. Die Polizei bestätigte, dass der Mann keine Waffenerlaubnis besaß. Die genaue Art der Waffe und ob es mehrere Tatwaffen gab, ist noch unklar. Die Ermittler verwiesen auf die aufwendige Spurensicherung.
Hintergrund: Sorgerechtsstreit um dreimonatiges Baby
Nach Angaben der Polizei könnte ein Sorgerechtsstreit das Motiv für die Tat gewesen sein. Der türkische Staatsangehörige hatte einen Termin bezüglich des Sorgerechts für seine drei Monate alte Tochter. Der „Spiegel“ berichtet, dass der Mann sein Baby geschüttelt haben soll; das Kind habe entsprechende Verletzungen aufgewiesen. Die Mutter des Kindes sowie eine Begleiterin des Tatverdächtigen wurden aus dem Polizeigewahrsam entlassen, die Staatsanwaltschaft beantragte keinen Haftbefehl gegen sie.
Opfer und Gedenken
Unter den sechs Toten befinden sich drei Mitarbeiter des Jugendamtes der Region Hannover und drei Angestellte der Jugendhilfeeinrichtung der Hansestadt Stade. In der St.-Wilhadi-Kirche in Stade fand am Dienstagabend eine Andacht mit großem Andrang von Angehörigen, Kollegen und Feuerwehrleuten statt. Für Mittwoch, 14 Uhr, ist ein weiteres Gedenken in der Marktkirche Hannover geplant, das den drei getöteten Jugendamtsmitarbeitern gewidmet ist. Seelsorger sind vor Ort im Einsatz.
Dobrindt fordert Aufklärung
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) äußerte sich am Dienstag zu der Tat und sprach von Sprachlosigkeit und Betroffenheit. Er betonte, die Behörden hätten aufgrund der Polizeiakte des Tatverdächtigen nicht mit einer solchen Tat rechnen können. „Es gibt noch Aufklärungsbedarf“, sagte Dobrindt. Er stehe im Austausch mit Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) und gehe davon aus, dass die Staatsanwaltschaft weitere Details bekannt geben werde.



