Im Prozess um die tödliche Prügelattacke auf den Bahnmitarbeiter Serkan Ç. hat der Angeklagte Ioanni V. die Familie des Opfers um Vergebung gebeten. In einer von seiner Verteidigerin vor dem Landgericht Zweibrücken verlesenen Erklärung bezeichnete der 26-Jährige die Tat als einen „Moment blinder Wut“ und sprach eine „große Entschuldigung“ aus. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Februar den Zugbegleiter bei einer Fahrkartenkontrolle nahe Landstuhl mehrfach heftig mit den Fäusten gegen den Kopf geschlagen zu haben. Zwei Tage später starb der zweifache Vater an einer Hirnblutung. Der Fall löste bundesweit eine Debatte über die Sicherheit von Zugbegleitern aus.
Angeklagter zeigt Reue, Familie bleibt skeptisch
In seiner Erklärung betonte Ioanni V., dass ihm bewusst sei, seine Worte könnten das Geschehen nicht rückgängig machen. „Ich übernehme die volle persönliche Verantwortung“, hieß es. „Auch wenn ich weiß, dass meine Worte Ihren Schmerz nicht erleichtern können, möchte ich mich noch einmal entschuldigen.“ Der Verteidiger der Familie Ç., die als Nebenklägerin auftritt, zeigte sich jedoch skeptisch. Yalçın Tekinoğlu sagte: „Das war für mich keine aufrichtige Entschuldigung. Es war überhaupt gar keine Entschuldigung.“ Die Worte seien „komplett ichbezogen“ gewesen. Die Angehörigen würden sich Angaben zur Tat wünschen, die Ioanni V. bislang verweigert.
Emotionale Szenen im Gerichtssaal
Beim Prozessauftakt waren viele Familienangehörige des Opfers sowie Bahnmitarbeiter anwesend. Als ein Video der Überwachungskamera des Regionalexpresses gezeigt wurde, reagierten einige Zuschauer emotional, weinten oder verließen den Saal. Serkan Ç. war der älteste von fünf Brüdern und alleinerziehender Vater von zwei Söhnen. Der Fall hatte im Februar bundesweit für Entsetzen gesorgt und eine Diskussion über Gewalt gegen Bahnpersonal ausgelöst.
Weiterer Prozessverlauf und Hintergründe
Das Landgericht Zweibrücken hat acht Verhandlungstage angesetzt, das Urteil könnte am 9. Juli fallen. Seit Jahren werde die Stimmung in der Bahn aggressiver, sagte Zugchef René Bäselt, der selbst schon angegriffen wurde. Die Tat ereignete sich, als Ioanni V. keinen Fahrschein vorweisen konnte und auf den Zugbegleiter losging. Die Bundespolizei hatte den mutmaßlichen Täter bereits vor der tödlichen Attacke aufgegriffen, wie aus Berichten hervorgeht. Die Sicherheitsdebatte nach dem Angriff wirft die Frage auf, ob die Politik ausreichende Maßnahmen gegen solche Gewalt ergriffen hat.



